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Was heißt hier "alt"?

Gemeinsamer Auftakt in ein volles Programm
Gemeinsamer Auftakt in ein volles Programm

[28|04|2016]

Eine Fachtagung thematisierte die Neuverhandlung von Arbeit, Alter und Geschlecht

In Deutschland steigt der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. Diese „Junggebliebenen“ sind immer länger aktiv und gesund. Trotzdem haben sie auch spezielle Bedürfnisse und brauchen einen gewissen Schutz. Welche Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe haben sie? Ermöglicht ihnen unsere Gesellschaft ein „gutes“ Altern und nutzt sie die Fähigkeiten älterer BürgerInnen? Und welchen Einfluss haben vorherrschende Geschlechterbilder auf das Altern?

 

Um diese und ähnliche Fragen ging es im April beim Fachtag „Was heißt hier ‚alt‘?“ der Frauenakademie München in Kooperation mit der Frauenbeauftragten der Hochschule München und der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München . „Es geht nicht um subjektives Altern, sondern um Altern in der Gesellschaft“, sagte die stellvertretende Frauenbeauftragte der Hochschule München, Prof. Dr. Juliane Sagebiel, bei der Begrüßung.

 

Angeregte Diskussion während des World Cafés
Angeregte Diskussion während des World Cafés

 

Erwerbsarbeit als zentraler gesellschaftlicher Wert

In Vorträgen und einem World Café diskutierten die TeilnehmerInnen unter anderem, welche kulturellen Bilder und Werte wir zum Altern haben und ob sie noch zu den heutigen „Alten“ passen. Klar stellte sich heraus, dass die Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle unter anderem für die Definition von Alter spielt. Insbesondere die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind jedoch enorm.

 

„Altern wird oft als geschlechtslos gesehen – die gängigen Lebensmodelle sind aber sehr männlich geprägt“, sagte Nicole Lassal von der Landeshauptstadt München in ihrer Begrüßung. Frauen hätten heterogenere Lebensentwürfe. Das bedeutet: Der Standard einer langjährigen Erwerbstätigkeit in Vollzeit, gefolgt vom „wohlverdienten“ Ruhestand mit einer angemessenen Rente, ist stark männlich geprägt. Das Alter fungiert hier oft sogar als gesellschaftlicher Rückzugsraum.

 

Im Gegensatz zu diesem Lebensmodell sind Tätigkeiten wie bürgerschaftliches Engagement, Familie, Hausarbeit und Pflege weiblich geprägt und gesellschaftlich wenig anerkannt, aber auch im Alter stark sinnstiftend. Schwierigkeiten macht die fehlende Grundsicherung – Altersarmut ist mehr ein weibliches denn ein männliches Problem.

 

„Arbeit“ neu gestalten und definieren

Wenn Menschen immer länger arbeiten können und aktiv sein wollen, sind Betriebe und Gesellschaft gleichermaßen gefragt. Für Arbeitgeber werden Themen wie betriebliches Gesundheitsmanagement, altersgerechte Arbeitsbedingungen, Flexibilisierung von Karrierewegen, Weiterbildung und Wissenstransfer eine immer wichtigere Rolle spielen. Die Potentiale aller Generationen zu nutzen und hierfür auch spezifische Programme zu entwickeln rücke für viele Unternehmen immer stärker in den Fokus der Personalentwicklung, berichtete Simone Hofer von der IHK-Expertenakademie.

 

Darüber hinaus geht es aber auch für uns als Gesellschaft darum, mehr Möglichkeiten für Bildung und lebenslanges Lernen sowie Anerkennung für Engagement zu schaffen und Existenzgrundlagen zu sichern. So können die neuen „jungen Alten“ ihre Energie und ihr Potenzial zum Gewinn aller einbringen.

 

 

Claudia Köpfer

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