News
Kommunikation für eine digitale und interkulturelle Arbeitswelt
Neuer berufsbegleitender Masterstudiengang Dig-I-Kom (Digitale und interkulturelle Kommunikation) im Interview mit Prof. Dr. Silke Järvenpää, Mitglied der Studiengangsleitung
05/05/2026
WBZ: Frau Professorin Järvenpää, die Hochschule München bekommt ein neues Angebot. Worum geht es bei Dig-I-Kom?
Silke Järvenpää: Dig-I-Kom steht für Digitale und interkulturelle Kommunikation. Es handelt sich um einen Masterstudiengang, der berufsbegleitend studiert werden kann. Die Lehre findet blockweise statt, vor allem an Wochenenden.
Inhaltlich verbindet der Studiengang zwei Bereiche, die heute eng zusammengehören: interkulturelle Kommunikation und digitale Kommunikation. Wir leben und arbeiten in einer global vernetzten Welt, in der Kommunikation immer häufiger digital, international und kulturell vielschichtig stattfindet. Dafür braucht es Menschen, die Kommunikationsprozesse verstehen, analysieren und professionell gestalten können.
Der Studiengang vermittelt deshalb sowohl wissenschaftliche Grundlagen als auch anwendungsbezogene Kompetenzen. Es geht um Theorien, Methoden und konkrete Fragen der Praxis: Wie kommunizieren Menschen in digitalen Räumen? Wie wirken kulturelle Prägungen auf Kommunikation? Und wie kann Verständigung in komplexen gesellschaftlichen und beruflichen Kontexten gelingen?
WBZ: Warum braucht es diesen Studiengang an der Hochschule München?
Silke Järvenpää: An der Hochschule München gibt es bereits Studienangebote mit internationalem Bezug. Dig-I-Kom setzt jedoch einen eigenen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt steht nicht primär das Projektmanagement, sondern die Schnittstelle von interkultureller Kommunikation, digitaler Kommunikation und gesellschaftlicher Entwicklung.
Der Studiengang ist eine Weiterentwicklung und Neuausrichtung des bisherigen Masterprogramms Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Neu ist vor allem die stärkere Ausrichtung auf digitale Kommunikation, digitale Medien, KI, Ethik und die Frage, wie sich kulturelle Identitäten und Kommunikationsformen in digitalen Öffentlichkeiten verändern.
WBZ: Welche Inhalte erwarten die Studierenden?
Silke Järvenpää: Wir haben den Studiengang in mehrere Säulen gegliedert. Dazu gehören Kommunikation, Kultur und Politik, Digitalisierung sowie wissenschaftliche Methoden.
Die Studierenden beschäftigen sich mit Kulturtheorien, Kommunikationstheorien, digitalen Medientheorien und methodischen Zugängen. Dazu zählen empirische sozialwissenschaftliche Methoden ebenso wie verstehende Verfahren, hermeneutische Zugänge oder kritische Diskursanalyse.
Wichtig ist uns, dass Theorie und Anwendung zusammengeführt werden. Deshalb arbeiten die Studierenden auch an Projekten und praxisnahen Fragestellungen. Auf dem Stundenplan stehen zum Beispiel interkulturelles Verhandeln, Storytelling, Visualisierungstechniken, kleinere Forschungsprojekte und größere Praxisprojekte.
Zum Ende des Studiums wird ein umfangreicheres Projekt geplant, auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Einrichtungen, Behörden, Forschungsinstitutionen oder Organisationen aus dem Non-Profit-Bereich. Den Abschluss bildet die Masterarbeit.
WBZ: Gibt es Vertiefungsmöglichkeiten?
Silke Järvenpää: Ja. Die Studierenden können Schwerpunkte setzen. Eine Vertiefungsrichtung führt stärker in Richtung politische Kommunikation, eine andere stärker in Richtung kulturelle und interkulturelle Kommunikation. Damit können die Studierenden ihr Studium an ihre beruflichen Interessen und ihre bisherigen Erfahrungen anpassen.
WBZ: Für wen ist der Studiengang interessant?
Silke Järvenpää: Dig-I-Kom richtet sich an Berufstätige, die sich mit Kommunikation, Kultur, Internationalität, Digitalisierung oder gesellschaftlicher Vermittlung beschäftigen oder sich in diese Richtung weiterentwickeln möchten.
Interessant ist der Studiengang zum Beispiel für Menschen im öffentlichen Dienst, in Kommunen, Behörden, internationalen Organisationen, Kulturinstitutionen, Migrationsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, PR, Unternehmenskommunikation oder im Non-Profit-Bereich.
Auch wer bereits im journalistischen oder kommunikationsbezogenen Bereich tätig ist, kann von dem Studiengang profitieren, wenn digitale und interkulturelle Kompetenzen gezielt erweitert werden sollen.
WBZ: Welche beruflichen Perspektiven eröffnet Dig-I-Kom?
Silke Järvenpää: Die möglichen Berufsfelder sind breit. Absolventinnen und Absolventen können überall dort arbeiten, wo Kommunikation über kulturelle, organisationale oder digitale Grenzen hinweg gestaltet werden muss.
Das betrifft internationale Organisationen, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Kulturinstitutionen, NGOs, Bildungsorganisationen oder Kommunikationsabteilungen. Besonders relevant ist der Studiengang für Aufgaben, in denen komplexe Inhalte vermittelt, unterschiedliche Gruppen zusammengebracht oder digitale Kommunikationsstrategien entwickelt werden müssen.
WBZ: Welche Rolle spielt Storytelling im Studiengang?
Silke Järvenpää: Storytelling ist eine wichtige Anwendung kommunikationswissenschaftlicher Grundlagen. Menschen reagieren auf Geschichten, Deutungsmuster und Narrative. Wer Kommunikation professionell gestaltet, muss verstehen, wie solche Erzählungen entstehen und wie sie wirken.
Im Studiengang geht es darum, Storytelling reflektiert und verantwortungsvoll einzusetzen. Das kann zum Beispiel für Kampagnen relevant sein, die interkulturelle Verständigung fördern oder den Umgang mit digitalen und analogen Lebenswelten vermitteln.
Dabei verstehen wir Storytelling nicht als Manipulationstechnik, sondern als Methode, um Inhalte verständlich, anschlussfähig und sinnstiftend zu vermitteln.
WBZ: Spielen auch Fake News, Manipulation und KI eine Rolle?
Silke Järvenpää: Ja, diese Themen gehören zur digitalen Säule des Studiengangs. Dazu zählen Ethik der digitalen Kommunikation, Ethik der KI, Desinformation und der Umgang mit Manipulationskampagnen.
Wichtig ist nicht nur, solche Phänomene zu erkennen und einzuordnen. Die Studierenden sollen auch lernen, wie man professionell darauf reagieren kann. Es geht also um Analyse, Bewertung und Gegenstrategien.
WBZ: Was müssen Bewerberinnen und Bewerber mitbringen?
Silke Järvenpää: Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium. Der Studiengang ist interdisziplinär angelegt und richtet sich ausdrücklich an Bewerberinnen und Bewerber aus unterschiedlichen Fachrichtungen.
Wer bereits Kommunikationswissenschaft, Kulturwissenschaft oder ein verwandtes Fach studiert hat, bringt fachliche Vorkenntnisse mit. Wer aus einem anderen Bereich kommt, etwa aus Ingenieurwissenschaften, Verwaltung, Wirtschaft oder anderen Fachrichtungen, wird im ersten Semester fachlich abgeholt.
Gerade diese Mischung ist für den Studiengang wichtig. Die unterschiedlichen beruflichen und fachlichen Perspektiven der Studierenden bereichern die Diskussionen und Projekte.
WBZ: Warum freuen Sie sich persönlich auf den Studiengang?
Silke Järvenpää: Ich freue mich auf Dig-I-Kom, weil die Inhalte aus meiner Sicht sehr wichtig sind. Digitale und interkulturelle Kommunikation sind zentrale Kompetenzen in vielen Bereichen der Arbeitswelt.
Der Studiengang bietet die Möglichkeit, diese Themen wissenschaftlich fundiert und zugleich praxisnah zu vermitteln. Besonders wertvoll ist der interdisziplinäre Charakter. Die Kompetenzen der Professorinnen und Professoren sowie des wissenschaftlichen Mittelbaus der Fakultät können hier zusammengeführt und für Berufstätige nutzbar gemacht werden.
Dig-I-Kom zeigt, welche Expertise an der Hochschule München vorhanden ist und wie diese Expertise in ein aktuelles, gesellschaftlich relevantes Studienangebot übersetzt werden kann.