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Von der Masterarbeit ins Ministerium: Wie wissenschaftliche Neugier den Weg in die Digitalisierung des Rettungswesens ebnete
Alumni-Porträt: Tobias Finsterwalder (Masterstudienrichtung Digital Technology Management)
31/08/2026
Aus einer Masterarbeit an der HM Business School wurde ein Karrieresprung in ein Zukunftsfeld: Tobias Finsterwalder, Alumnus der Masterstudienrichtung Digital Technology Management, gestaltet heute die Weiterentwicklung des Telenotarzt-Systems in Bayern.
Wenn aus wissenschaftlicher Neugier gesellschaftlicher Impact entsteht
Manchmal beginnt eine berufliche Entwicklung mit einer Idee. Bei Tobias Finsterwalder führte sie von der HM Business School direkt an die Schnittstelle von Digitalisierung, Gesundheitsversorgung und Landespolitik.
Der Absolvent des Masterstudiengangs Betriebswirtschaft mit der Studienrichtung Digital Technology Management (DTM) arbeitet heute als Technischer Referent Telenotarzt im Bayerischen Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration. Dort beschäftigt er sich mit der technischen und konzeptionellen Weiterentwicklung eines Systems, das die Notfallversorgung in Bayern nachhaltig verändern soll.
Den Grundstein dafür legte er während seines Masterstudiums an der HM Business School der Hochschule München. Seine Masterarbeit untersuchte die Einflussfaktoren auf die Akzeptanz der Telenotarzt-Technologie aus Sicht der Anwenderinnen und Anwender im Rettungsdienstbereich Straubing-Bogen. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Daniel Jan Ittstein (Fakultät für Studium Generale und Interdisziplinäre Studien), Zweitbetreuerin war Prof. Dr. Eva Anderl, Koordinatorin der Masterstudienrichtung Digital Technology Management.
Heute arbeitet Finsterwalder genau an dem Zukunftsthema, das er damals wissenschaftlich analysierte.
„Zwei Welten“, ein Thema
Der Weg zum Thema war kein Zufall. Schon lange vor seiner Masterarbeit bewegte sich Tobias Finsterwalder in „zwei Welten“: der Digitalisierung und dem Rettungsdienst.
Seine Tätigkeit im Rettungsdienst begann 2018. Über einen Zeitraum von rund sieben Jahren war er dort vor allem als Werkstudent neben dem Studium tätig. Auch nach dem Ende dieser Beschäftigung bleibt er dem Rettungsdienst verbunden und engagiert sich seit Juni 2026 ehrenamtlich. Gleichzeitig interessierte er sich im Studium intensiv für digitale Technologien und deren Einsatz in komplexen Organisationen.
„Das Thema hat meine beiden Welten optimal miteinander verbunden. Einerseits habe ich Digital Technology Management studiert und mich schon immer für neue digitale Technologien interessiert. Andererseits arbeite ich seit vielen Jahren im Rettungsdienst. Das Telenotarztsystem verbindet genau diese beiden Bereiche“, sagt Finsterwalder.
Die Idee entstand jedoch nicht erst mit der Abschlussarbeit. Bereits während seines Studiums beschäftigte sich Finsterwalder intensiv mit Fragestellungen rund um die Notfallversorgung. Einen ersten Impuls erhielt er im DTM-Kurs Digital Technology: Leadership and Ethics, den Prof. Ittstein gemeinsam mit dem Praxispartner Munich Re durchführte.
„Herr Finsterwalder ist aus meiner Sicht eine dieser Geschichten, die zeigen, was entstehen kann, wenn persönliche Leidenschaft, wissenschaftliches Arbeiten und Praxis zusammenkommen“, sagt Prof. Ittstein.
Gemeinsam diskutierten Professor und Student anschließend verschiedene Themenideen. Schließlich fiel die Wahl auf die Telenotarzt-Technologie, ein Bereich, der Finsterwalders berufliche Erfahrung unmittelbar mit den Inhalten seines Studiums verband.
Warum der Telenotarzt ein Zukunftsthema ist
Das Telenotarzt-System soll ärztliche Expertise schneller verfügbar machen und die begrenzte Ressource Notarzt effizienter einsetzen.
Vor allem bei steigenden Einsatzzahlen, langen Anfahrtswegen, Personalmangel oder Ausfällen kann die Technologie dabei helfen, Patientinnen und Patienten schneller medizinisch zu versorgen.
Für Finsterwalder war genau dieser konkrete Nutzen entscheidend:
„Mich hat fasziniert, dass der Telenotarzt kein Selbstzweck der Digitalisierung ist. Die Technologie soll ganz konkrete Probleme lösen: ärztliche Expertise schneller verfügbar machen und die knappe Ressource Notarzt gezielter einsetzen. Gerade im ländlichen Raum kann das einen echten Unterschied für die Gesundheit von Patientinnen und Patienten machen.“
Während viele Untersuchungen die technische Funktionsfähigkeit solcher Systeme betrachten, interessierte ihn eine andere Perspektive: Wie nehmen diejenigen die Technologie wahr, die täglich mit ihr arbeiten?
Was über Erfolg oder Misserfolg von Digitalisierung entscheidet
Im Mittelpunkt seiner Masterarbeit stand daher nicht die technische Machbarkeit, sondern die Frage nach der Akzeptanz.
Dafür führte Finsterwalder qualitative Interviews mit Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern sowie Telenotärztinnen und Telenotärzten durch. Ziel war es herauszufinden, welche Faktoren die Nutzung fördern oder hemmen.
Eine Erkenntnis überraschte ihn besonders:
„Am meisten überrascht hat mich, wie unterschiedlich die beiden Berufsgruppen auf das gleiche System blicken. Obwohl alle dasselbe Ziel verfolgen (eine bestmögliche Patientenversorgung) unterscheiden sich Erfahrungen, Erwartungen und Sorgen teilweise deutlich.“
Die Untersuchung zeigte, dass technologische Innovationen weit mehr benötigen als funktionierende Software und zuverlässige Infrastruktur. Vertrauen, Rollenverständnis, organisatorische Unterstützung, Kommunikation und technische Zuverlässigkeit beeinflussen die Akzeptanz maßgeblich.
„Die Einführung neuer Technologien ist weit mehr als eine technische Aufgabe. Man muss die Menschen, die damit arbeiten, von Anfang an mitnehmen. Genau diese Akzeptanz entscheidet letztlich darüber, ob eine Innovation erfolgreich ist.“
Für Prof. Eva Anderl zeigt die Arbeit exemplarisch, worum es in der Masterstudienrichtung Digital Technology Management geht:
„Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn Technologie, Organisation und Mensch zusammen gedacht werden. Genau diesen ganzheitlichen Blick hat Tobias Finsterwalder in seiner Masterarbeit eindrucksvoll gezeigt.“
Als die Forschung plötzlich zur Stellenausschreibung passte
Kurz nach Abschluss der Masterarbeit ergab sich eine besondere Chance.
Genau zu dem Zeitpunkt, als Finsterwalder seine Arbeit fertiggestellt hatte, wurde im Bayerischen Innenministerium eine Position frei, die sich mit dem Telenotarzt-System beschäftigt.
„Die Stelle im Innenministerium wurde genau zu dem Zeitpunkt frei, als ich meine Masterarbeit abschloss. Das war sicherlich eine glückliche Fügung. Entscheidend war aber, dass ich durch meine praktische Erfahrung im Rettungsdienst und die intensive wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema bereits ein tiefes Verständnis für das Projekt mitgebracht habe.“
Für ihn ist klar: Ohne die Masterarbeit wäre dieser Schritt kaum möglich gewesen.
„Die Masterarbeit war sicherlich ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Baustein. Sie hat gezeigt, dass ich mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt habe und sowohl die technische als auch die organisatorische Seite des Telenotarzt-Systems verstehe. Gleichzeitig arbeite ich heute an genau dem Projekt, das ich damals wissenschaftlich untersucht habe.“
Heute: Qualität messen, Systeme verbessern, Bayern gestalten
In seiner heutigen Rolle beschäftigt sich Finsterwalder mit strategischen Fragen rund um das Telenotarzt-System in Bayern.
Dabei geht es um die technische Weiterentwicklung, die Umsetzung neuer Anforderungen, die Zusammenarbeit mit Rettungsdienstorganisationen, Krankenkassen und Systemdienstleistern sowie um das Qualitätsmanagement.
Ein aktueller Schwerpunkt ist der Aufbau objektiver Qualitätskennzahlen.
„Als ich die Stelle übernommen habe, galt ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit der Entwicklung von einheitlichen Qualitätsparametern, belastbaren Kennzahlen und Auswertungen. Auf dieser Grundlage lassen sich aus den gewonnenen Daten gezielt Maßnahmen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems ableiten.“
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus seiner Masterarbeit begleiten ihn dabei bis heute.
„Tatsächlich nutze ich die Erkenntnisse aus meiner Arbeit fast täglich. Die identifizierten Spannungsfelder und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen helfen mir dabei, technische und organisatorische Entscheidungen besser einzuordnen.“
Was das Studium dazu beigetragen hat
Neben dem fachlichen Wissen sieht Finsterwalder vor allem die im Studium erworbenen Methodenkompetenzen als wichtigen Erfolgsfaktor.
Kommunikation, Stakeholder-Management und Datenanalyse gehören heute zu seinen wichtigsten Werkzeugen.
„In Projekten mit vielen Beteiligten reicht technisches Wissen allein nicht aus. Man muss unterschiedliche Interessen verstehen, zusammenführen und daraus tragfähige Lösungen entwickeln. Genau diese Fähigkeiten haben im Studium einen hohen Stellenwert gehabt und begleiten mich heute jeden Tag.“
Für Prof. Ittstein ist Finsterwalders Weg beispielhaft für die Wirkung eines praxisorientierten Studiums:
„Hinter vielen Abschlussarbeiten und Studienverläufen verbergen sich Geschichten, die zeigen, wie aus einer Idee, einem Projekt oder einer Masterarbeit berufliche Chancen, Innovationen oder sogar ganz neue Karrieren entstehen. Solche Geschichten machen die HM aus.“
Ein Rat an heutige Studierende
Rückblickend hat Tobias Finsterwalder vor allem eine Empfehlung für Studierende, die vor ihrer Abschlussarbeit stehen:
„Sucht euch ein Thema, das euch wirklich begeistert. Idealerweise eines, zu dem ihr bereits einen persönlichen Bezug habt. Eine Abschlussarbeit begleitet einen viele Monate und echtes Interesse macht dabei einen enormen Unterschied.“
Genau dieser persönliche Bezug hat seinen eigenen Weg geprägt. Aus persönlichem Interesse und einer Fragestellung im Masterstudium wurde fachliche Expertise. Aus wissenschaftlicher Forschung entstand eine berufliche Perspektive. Und aus einer Abschlussarbeit wurde ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Notfallversorgung in Bayern.
Eine Geschichte, die zeigt, wie aus Neugier, Engagement und Praxisnähe echter gesellschaftlicher Impact entstehen kann.