Pressemitteilung
Forschungsteam macht Nachhaltigkeit im Tourismus messbar (PM 39/26)
Ein HM-Forschungsteam hat Kennzahlen entwickelt, mit denen Tourismusregionen ihre Nachhaltigkeitsentwicklung einheitlich beobachten können
27/10/2026
München, 27. Oktober 2026 – Wie erfolgreich sich eine Tourismusregion entwickelt, wird häufig anhand wirtschaftlicher Aspekte wie Gästeankünften, Übernachtungen oder Umsätzen beurteilt. Doch das sagt wenig darüber aus, welche Auswirkungen der Tourismus auf die Umwelt, die Bevölkerung oder die Lebensqualität vor Ort hat. Im Forschungsprojekt „Nachhaltigkeit im Tourismus messen, kommunizieren und wertschätzen: Kennzahlenset für den Deutschlandtourismus“ wurde deshalb ein einheitliches Messsystem entwickelt, das auch ökologische, soziale und managementbezogene Aspekte von Tourismusregionen in Deutschland berücksichtigt. Beteiligt war HM-Professor Marius Mayer von der Fakultät für Tourismus.
Grundlage, um Tourismus auch nach Nachhaltigkeitsaspekten zu bewerten
Die im Forschungsprojekt erarbeiteten Kennzahlen erweitern den Blick auf die Entwicklung von Tourismusregionen. Neben wirtschaftlichen Aspekten werden erstmals auch die Wahrnehmung der Bevölkerung, die Lebensqualität vor Ort und die Treibhausgasemissionen der An- und Abreise berücksichtigt. Eine hohe touristische Nachfrage allein reicht damit nicht aus, um die Entwicklung einer Destination umfassend zu beschreiben. Die Kennzahlen sollen eine gemeinsame Datengrundlage schaffen, auf deren Basis Destinationen Entwicklungen beobachten, Strategien überprüfen, Maßnahmen evaluieren und Handlungsbedarf erkennen können.
Neun Fokuskennzahlen für nachhaltigen Tourismus
Das neu entwickelte Messsystem besteht aus neun sogenannten „Fokuskennzahlen“. „Mit diesen messbaren Größen lässt sich beispielsweise erfassen, welche Rolle Nachhaltigkeit in den Strategien der einzelnen Destinationen spielt, welcher Anteil der Betriebe Nachhaltigkeitszertifizierungen aufweist, wie es um die Akzeptanz des Tourismus durch die lokale Bevölkerung bestellt ist oder welche Treibhausgasemissionen durch die An- und Abreise der Gäste entstehen“, erklärt Marius Mayer, HM-Professor für Nachhaltigkeit und Destinationsentwicklung. Die neun Fokuskennzahlen sind:
- Nachhaltigkeitszertifizierungen im Tourismus
- Destinationsstrategie mit Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten
- Gästezufriedenheit
- Touristische Saisonalität
- Touristische Wertschöpfung
- Tourismusakzeptanzsaldo
- Beitrag des Tourismus zur Lebensqualität
- Barrierefreiheit im Tourismus
- An- und Abreise-bedingte Treibhausgasemissionen
Ergänzend enthält das Set 18 Zusatzkennzahlen, die regionale Besonderheiten, vertiefende Fragestellungen und aufwändigere Erhebungsbereiche abbilden.
Sechs Regionen testen die Praxistauglichkeit
Die Fokuskennzahlen sind das Ergebnis eines mehrstufigen Prozesses. Das Projektteam analysierte zunächst acht nationale und internationale Indikatorensysteme mit insgesamt 250 Indikatoren. Ergänzend befragte es zertifizierte deutsche Tourismusdestinationen zur Relevanz, Aussagekraft und Erhebbarkeit verschiedener Kennzahlen. Für die Auswahl waren unter anderem ihre Bedeutung für eine nachhaltige Tourismusentwicklung, die Verfügbarkeit geeigneter Daten, die Vergleichbarkeit und der Erhebungsaufwand entscheidend.
Gemeinsam mit einem Fachbeirat aus Landestourismusorganisationen sowie weiteren Akteuren aus Praxis und Wissenschaft konkretisierte das Projektteam anschließend das Kennzahlenset. Ob die ausgewählten Kennzahlen unter unterschiedlichen Bedingungen anwendbar sind, wurde anschließend in sechs Pilotdestinationen erprobt. Beteiligt waren die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH, Tourismus NRW, die Ostseefjord Schlei GmbH, die Potsdam Marketing und Service GmbH, Spessart Tourismus und Marketing sowie der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. „Diese Pilotdestinationen bilden unterschiedliche räumliche, strukturelle und organisatorische Ausgangslagen ab, darunter städtische und ländliche Kontexte, Küsten- und Binnenräume sowie Destinationen mit unterschiedlichen Personal- und Datenressourcen“, erklärt Projektkoordinator Sven Wolf vom Deutschen Tourismusverband (DTV).
Kennzahlen allein schaffen noch keine Nachhaltigkeit
Mit dem Kennzahlenset liegt erstmals eine bundesweit abgestimmte Grundlage vor, mit der Destinationen ihre Nachhaltigkeitsentwicklung über die Zeit vergleichbar dokumentieren können. Die eigentliche flächendeckende Datenerhebung auf allen Destinationsebenen steht noch aus, ebenso wie Fragen der Finanzierung und einer möglichen zentralen Plattform zur Darstellung der Werte. „Kennzahlen allein schaffen noch keine Nachhaltigkeit“, so Mayer, „aber da die Indikatoren im Rahmen eines Bottom-up-Prozesses von den Destinationen selbst erarbeitet und als relevant identifiziert wurden, besteht die Erwartung, dass das Indikatorenset nun in der Destinationspraxis auch angewandt wird und als Monitoring- und Benchmark-Instrument einen Beitrag zu einer evidenzbasierten Verbesserung der Nachhaltigkeit in deutschen Destinationen leistet“.
Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit HM-Professor Marius Mayer.
Kontakt: Constance Schölch unter T 089 1265-1920 oder per Mail.
Projektinformationen
Das Projekt „Nachhaltigkeit im Tourismus messen, kommunizieren und wertschätzen: Kennzahlenset für den Deutschlandtourismus" wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des Programms „LIFT Transformation“ gefördert, koordiniert vom Deutschen Tourismusverband (DTV) und durchgeführt in Kooperation von reCET (Prof. Dr. Martin Balas), TourCert und der HM (Fakultät für Tourismus). Es lief von Juli 2024 bis Dezember 2025.
Publikation
Hier geht es zum Projektbericht.