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Nachhaltigkeit (er)leben

[12|01|2015]

Der BWL-Student Oliver Ullrich spricht mit semester@HM über seine Erfahrungen mit dem Zertifikat ETHIKUM

Die Begriffe Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung werden zurzeit vielfach diskutiert. Das Zertifikat ETHIKUM bietet Studierenden aller Fachrichtungen die Möglichkeit, sich zu diesen Themen weiterzubilden. Das neue HM-Magazin semester@HM sprach mit dem BWL-Studenten über seine Erfahrungen.

 

semester@HM: Was hat Sie am ETHIKUM interessiert?

Oliver Ullrich: Beim ETHIKUM beschäftigt man sich sehr viel mit Ethik, das habe ich nie als Schulfach gehabt. Daher hat es mich interessiert, was sich hinter dem Wort verbirgt. Und auch wofür das Wort Nachhaltigkeit steht. Den Begriff gibt es ja schon seit dem 18. Jahrhundert in der Forstwirtschaft. Trotzdem sind wir heute noch kaum einen Schritt weiter. Mittlerweile ist Nachhaltigkeit schon fast ein Unwort für mich geworden: Jeder verwendet es, aber eigentlich weiß niemand so genau, was es bedeutet. Für mich ist es eher ein Bewusstsein, das in den Köpfen der Menschen verankert sein sollte.

 

Gab es in den Kursen viele strittige Themen oder waren die Teilnehmer sich eher einig in ihren ethischen Auffassungen?

In den Kursen haben wir viel diskutiert und es gab schon wahnsinnige Reibereien. Das ging allerdings nie unter die Gürtellinie, sondern war eigentlich immer ein interessanter Austausch. In einem Ethik-Kurs ging es unter anderem darum, wer man selbst ist und wo man in der Gesellschaft steht. Ein Streitpunkt-Thema war z. B. die Rolle der Frau im Unternehmen. Es ging darum, dass Frauen häufig unterbezahlt sind und eher ungern eingestellt werden, da die Möglichkeit besteht, dass sie Kinder bekommen und somit für den Arbeitgeber für längere Zeit ausfallen können. Es ging aber auch darum, dass Männer bei der Kindererziehung benachteiligt werden.

 

Das Ethikum belohnt ehrenamtliche Tätigkeiten in Form von anrechenbaren »Ethikpunkten«. Sind Sie im Vorfeld einer solchen Tätigkeit nachgegangen oder wurden Sie durch das Ethikum dazu ermuntert?

Ich unterstütze den Verein »Munich Charity Company Championship «. Der richtet jedes Jahr ein Fußballturnier für Firmen aus, bei dem die Startgebühr und die Gewinne aus der Veranstaltung benachteiligten Kindern im Raum München zu Gute kommen. Ein Vorbild für mich sind die amerikanischen Konzerne Microsoft oder Walt Disney. Diese erlauben es ihren Mitarbeitern, während ihrer Arbeitszeit stundenweise ehrenamtlichen Tätigkeiten nachzugehen. Ich denke, das ist ein schöner Ansatz, um den Mitarbeitern die Thematik näher zu bringen. Seitdem ich am ETHIKUM teilnehme, unterstütze ich zusätzlich »Sea Shepherd«. Das ist eine Umweltorganisation, die sich mit dem Schutz der marinen Tierwelt beschäftigt. Nachdem wir viel diskutiert haben, wollte ich auch aktiv etwas für die Umwelt tun.

 

Es gibt einen Praxiskurs im ETHIKUM. Wie kann man sich das vorstellen?

In den Praxiskursen soll es darum gehen, dass die Studierenden selbst rausgehen und sich engagieren. Bisher haben die Studierenden in diesem Seminar immer mit straffällig gewordenen Jugendlichen gearbeitet und versucht, in ihnen das Interesse an Büchern zu wecken.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit mittlerweile für Sie?

Nachhaltigkeit hat für mich nicht mehr nur einen ökologischen Aspekt. Nachhaltigkeit betrifft nicht nur das Produktdesign, also recycelbare Verpackungen und eine ökologisch hinnehmbare Herstellung. Es bedeutet auch, nachhaltig mit seinen Mitarbeitern und Kunden umzugehen. Allein schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht: Einen Kunden neu zu gewinnen ist teurer, als einen alten zu halten. Trotzdem gilt in vielen Branchen, dass man immer neue Kunden generieren muss, z. B. in der Telekommunikations-Branche, und dass die Verlängerung eines bestehenden Vertrags keine Prämien bringt. Genau das ist kein nachhaltiger Ansatz und verursacht nur immer mehr Kosten.

 

Wie viel Zeit benötigt man für das ETHIKUM?

Ich denke, man sollte sich wenigstens vier Semester dafür Zeit nehmen.* Das Gute am ETHIKUM ist, dass man sich seine Kurse flexibel einteilen kann. Es gibt ja auch Angebote der virtuellen Hochschule, und so kann man auch in den Ferien mal einen Kurs belegen.

 

Wem empfehlen Sie das Zertifikat?

Eigentlich jedem! Sich mit Ethik und Nachhaltigkeit zu beschäftigen, ist für alle Studierenden wichtig – ob Betriebswirt oder Architekt. Auch für Masterstudierende ist das Zertifikat interessant. Es ist natürlich gut, wenn man schon ein gewisses Grundinteresse für das Thema mitbringt. Gerade für meine Kommilitoninnen und Kommilitonen, die sich später im Bereich Corporate Social Responsibility engagieren wollen, ist das Zertifikat sicherlich hilfreich und sinnvoll.

 

*Berichtigung: In der Print-Version des Interviews wurde fälschlicherweise ein Kommilitone erwähnt, der das Zertifikat in einem Semester erworben habe. Der Erwerb des Zertifikats in so kurzer Zeit ist nicht möglich.

 

lt

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