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Rückenwind für Promovenden!

[27|06|2016]

Vereinbarung von HM und TU zur kooperativen Promotion: Michael Seitz erhält als Erster neue Promotionsurkunde.

Jetzt ist es fix: Wer in Zukunft mit einer kooperativen Promotion im Tandem der Hochschule München und der Technischen Universität München seinen Doktortitel anstrebt, weiß, was ihn erwartet. Die „Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei kooperativen Promotionen“ regelt ab dem Stichtag 1. Juni 2016 wie die Kooperationspartner Promotionen künftig einheitlich handhaben. Prof. Dr. Christiane Fritze, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Hochschule und Prof. Dr. Hans-Joachim Bungartz, Graduate Dean der TUM Graduate School der Technischen Hochschule tauschten offiziell die Vereinbarung aus.

 

Weg frei für junge Forschertalente

Kooperative Promotionen mit Betreuungs-Tandems unterschiedlicher Institutionen sind nicht neu. Bereits seit einigen Jahren streben Absolventinnen und Absolventen von HAWs, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, kooperative Promotionen an der TU München an – und das erfolgreich: In Einzelprojekten oder in Graduiertenkollegs, wie dem Graduiertenkolleg „Gebäudetechnik und Energieeffizienz“. Einziges Problem: Promovierende und ihr Betreuer-Tandem mussten sich bisher jedes Mal wieder von neuem darum kümmern, wie Betreuung, Weiterbildung, wie das Netzwerken und Prüfen für sie im Einzelnen ablaufen sollen.

 

Hier setzt die neue Vereinbarung an: Sie regelt kooperatives Promovieren einheitlich für das „gesamte Fächerspektrum beider Seiten“ und weist unter anderem auf die Gleichberechtigung der betreuenden Professorinnen und Professoren bei Gutachten und Prüfung der gemeinsamen Kandidatinnen und Kandidaten hin. Die Zusammenarbeit der Betreuenden soll auf bestehenden Kontakten und fachlichen Interessen beider aufbauen. Dass die Promovierenden die Forschungsnetzwerke und Qualifizierungsmaßnahmen beider Institutionen nutzen können und sogar einzelne Projektmeilensteine der Promotion, das alles wird über eine Betreuungsvereinbarung festgelegt. Die gemeinsame Leistung beider Seiten wird mit Abschluss der Promotion auch dokumentiert: Zwar verleiht die Technische Universität weiter die Urkunde, dort sind jetzt jedoch die Namen beider Betreuenden und Institutionen aufgeführt.

 

Die Vereinbarung folgt dem Modell der so genannten „Verbundpromotion“. BayWISS, das Bayerischen Wissenschaftsforum, eine Plattform zur Stärkung kooperativer Promotionen, hatte es in diesem Jahr als Möglichkeit vorgeschlagen, um Kooperationen zu regeln. Die konkrete Vereinbarung und die neue Form der Promotionskurkunde sind für die Beziehung von HM und TUM nach Fritze aber mehr: Sie sind „nicht nur ein klares Signal, das die gute Zusammenarbeit unterstreicht. Sie stärken ganz wesentlich die gemeinsamen Promotionsvorhaben und schaffen Klarheit und Sicherheit auf der Ebene der Doktoranden sowie deren Betreuer.“

 

Michael Seitz mit seinem Betreuungs-Tandem: Prof. Dr. Gerta Köster von der Hochschule München und Prof. Dr. Hans Joachim Bungartz von der TUM. (Foto: Uli Benz, TUM).
Michael Seitz mit seinem Betreuungs-Tandem: Prof. Dr. Gerta Köster von der Hochschule München und Prof. Dr. Hans Joachim Bungartz von der TUM. (Foto: Uli Benz, TUM).

 

Michael Seitz promoviert zur Simulation von „Fußgängerströmen“

Ein Beispiel dafür, dass eine kooperative Promotion talentierten WissenschaftlerInnen den Weg bahnt, ist Michael Seitz. Für seine Arbeit „Simulating pedestrian dynamics. Towards natural locomotion and psychological decision making“ erhielt er das Prädikat „summa cum laude“ und als Erster die neue Form der Promotions-Urkunde. Darin genannt sind Prof. Dr. Gerta Köster, Professorin an der Fakultät für Informatik und Mathematik der Hochschule und sein Doktorvater Prof. Dr. Hans-Joachim Bungartz, Professor an der Fakultät für Informatik der TUM.

 

Im Rahmen des Forschungsprojekts MultikOSi entwickelte Seitz durch Feldbeobachtungen etwa auf dem „Back-to-the-Woods“-Festival in Garching Forschungsmodelle für Fußgängerverhalten auf Großveranstaltungen. Wie stellen sich beispielsweise BesucherInnen in einer Schlange an? Gegenüber allein physikalischen Modellen von Menschen als gleiche Teilchen in einer Masse untersuchte er, wie psychosoziale Faktoren die Menschen dabei beeinflussen, für welchen Abstand zur Person vor sich sie sich letztlich entscheiden. Die Entscheidungsmuster setzte Seitz in mathematische Modelle für eine Software um. Mit dieser lässt sich das Verhalten der Fußgänger in unterschiedlichen Szenarien durchspielen: Was passiert im Notfall, wenn ein Eingang des Fußballstadions von Terroristen versperrt wird? Wie lässt sich die Situation entschärfen, wenn ein ICE an einem völlig überfüllten Bahnsteig einfahren soll? Die Softwaresimulationen von Seitz geben auf diese praktischen Fragen zur Sicherheit von Großveranstaltungen vorab Antworten.

 

Informationen zum Forschungsprojekt MultikOSi , gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finden sich auf der Seite des Verbundprojekts.

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch

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