News

"Die Macht war ganz bei ihm"

[30|06|2016]

Mit einem liebevoll gestalteten Fest verabschiedeten sich Chor und Orchester der HM vom Dirigenten Prof. Dr. Theodor Schmitt

Von den ersten Konzerten in einer Turnhalle an der Karlstraße zu den letzten, praktisch ausverkauften Konzerten in der Residenz: 25 Jahre lang hat Prof. Dr. Theodor Schmitt an der Fakultät für Studium Generale und interdisziplinäre Studien die Ensembles der Hochschule München geleitet. In tausenden Probestunden und dutzenden Probenwochenenden hat er über die Jahre 36 Programme mit den Ensembles eingeübt und aufgeführt. Zum Ende des Sommersemesters verabschiedet er sich nun in den wohlverdienten Ruhestand.

 

Begeistert hat der leidenschaftliche Musiker und Dirigent nicht nur die Mitglieder der beiden Musikensembles, sondern auch die ZuhörerInnen nachhaltig – selbst für religiöse oder historische Themen wie Bachs Johannes-Passion oder Strawinskis Oratorium „Oedipus Rex“. Wie sehr, wurde beim inoffiziellen Abschiedsfest deutlich, zu dem seine Ensembles als Überraschung für ihn im Juni Freunde und KollegInnen einluden.

 

Chor und Orchester präsentierten ein vielseitiges, liebevoll zusammengestelltes und (ohne Schmitt!) einstudiertes musikalisches Programm mit Chor- und Orchesterwerken von Cole Porter, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Pietro Mascagni, Joseph Reinberger, Leonard Bernstein, Eric Whitacre und Johannes Brahms. Bariton Jussi Järvenpää sang als Überraschungsgast mit mitreißender Verve die „Faktotum“-Kavatine des Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“. Viele Lacher provozierte das von Big Band-Leiter Bastian Pusch eigens komponierte Werk „Reisen mit Theo“, das nochmals die Highlights der gemeinsamen Zeit – Reisen ins Ausland inklusive! – Revue passieren ließen. Und natürlich setzte sich auch Schmitt selbst ans Klavier, um den Gästen einen Ragtime vorzuspielen.

 

Das Orchester präsentierte gemeinsam mit dem Chor ein vielseitiges Programm (Foto: Sandra Willbold)
Das Orchester präsentierte gemeinsam mit dem Chor ein vielseitiges Programm (Foto: Sandra Willbold)
Laserschwert statt Taktstock

Erinnert wurde von den RednerInnen unter anderem an das legendäre Konzert, bei dem Schmitt bei einem Stück aus Star Wars den Dirigentenstab gegen ein Laserschwert tauschteund mit geradezu kindlicher Freude dirigierte: „Die Macht war ganz bei ihm.“ Freundlich, zielstrebig, ehrgeizig, aber auch sehr leidenschaftlich – so beschreiben Ensemblemitglieder und KollegInnen den Professor. „Der Musiketat war ziemlich hoch“, kommentierte jemand schmunzelnd. Auch streng konnte er sein – musikalische Qualität erfordert nun einmal viel Disziplin und noch mehr Zeit.

 

Bastian Pusch und Prof. Dr. Theodor Schmitt (v.l.) mit Chor und Orchester im Hintergrund (Foto: Sandra Willbold)
Bastian Pusch und Prof. Dr. Theodor Schmitt (v.l.) mit Chor und Orchester im Hintergrund (Foto: Sandra Willbold)

Enorme Entwicklung

Als er 1991 an die Hochschule kam, sei das Orchester ein „Altherrenclub“ gewesen, erzählte Schmitt seinerseits. Der Chor: fidel, aber ohne Ambition. Es fehlte Zusammenhalt. Sein Traum sei es schon damals gewesen, größere Oratorien mit Chor und Orchester gemeinsam aufzuführen. Es sei eine fast unbegreifliche Entwicklung seither gewesen.

 

Unter Schmitt seien Chor und Orchester der Hochschule München zu Vorzeigeprojekten und Botschaftern der Hochschule geworden, sagte auch Prof. Dr. Michael Kortstock. Sie verbinden Studierende, Lehrende und Alumni über Fakultäten hinweg. „Nicht alle Termine machen als Präsident Spaß – aber die Vorfreude auf die Auftritte von Chor, Orchester und Big Band haben mich mit für die zweite Amtszeit motiviert“ sagte er mit einem Zwinkern. „Ich habe jedes Konzert – ob weihnachtliche oder leichte Sommermusik – genossen.“

 

„Wir sind wahnsinnig stolz auf das, was du geleistet hast und dankbar – du hast uns so viel von dir gegeben“, sagte Prof. Dr. Isolde Kurz, Dekanin der Fakultät für Studium Generale und interdisziplinäre Studien. „Du hast uns tolle Einblicke in die Musik gegeben, die wir sonst nicht gehabt hätten.“

 

Schmitt spielte seinen Gästen am Klavier einen leichtherzig-wehmütigen Ragtime (Foto: Clemens M. Gutmann)
Schmitt spielte seinen Gästen am Klavier einen leichtherzig-wehmütigen Ragtime (Foto: Clemens M. Gutmann)

Engagement und Zusammenhalt

So viele gemeinsam verbrachte Stunden, Tage, manchmal ganze Wochen – das schweißt auf ganz besondere Weise zusammen. Spürbar war an diesem Abend vor allem der enge Zusammenhalt und das enorme Engagement, die unter Schmitts Leitung entstanden sind. Manche sind genauso lange dabei wie Schmitt selbst. Kaum ein Ensemblemitglied, das nicht über den musikalischen Beitrag hinaus noch mehr getan hat, sei es mit einem verantwortungsvollen Amt, durch die alljährliche Gestaltung der Veranstaltungsplakate, die Organisation von Konzertreisen oder mit Blumensträußen aus dem eigenen Laden.

 

„Es war ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis“, sagte Heidemarie Brückner, langjähriges Chormitglied. Zwar seien die vielen Proben oft eine Herausforderung gewesen, die manchmal sogar zum Verzicht auf Grundbedürfnisse geführt habe, erklärte sie augenzwinkernd. Dafür habe es aber auch viele Moment der Ergriffenheit, „Gänsehaut-Feeling inklusive“, gegeben. Zum Abschied fasst sie zusammen: „Wir sind wirklich alle deine Kinder, und wir nehmen dich mit in unser Leben.“

 

 

Claudia Köpfer

NEWSARCHIV

Berichte und Informationen rund um die Hochschule München

Veranstaltungen

Vorträge, Tagungen, Events an der Hochschule München