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Modular, mobil und kostengünstig

Umtriebiges Auf- und Abhängen bei der Abschlusspräsentation
Umtriebiges Auf- und Abhängen bei der Abschlusspräsentation

[18|07|2016]

Studierende zeigen bei der Abschlusspräsentation des „Fliegenden Klassenzimmers“ Lernräume für Flüchtlinge

Leichte Hektik macht sich breit: „Wir haben eine Liste, aber die stimmt hinten und vorne nicht – also müssen wir improvisieren“, leitet Prof. Dr. Natalie Eßig von der Fakultät für Architektur die Präsentation des Projektseminars „Das fliegende Klassenzimmer“ ein. Die Stimmung ist gespannt-heiter, die Location passt wunderbar zum Ansinnen dieses Seminars: Das Bellevue di Monaco – ein zukünftiger Willkommensort für Geflüchtete in München mit der Möglichkeit zur Mitarbeit und zum gegenseitigen Austausch gibt den Gastgeber. Mehr als zehn Gruppen bzw. Einzelpersonen haben im Rahmen des Projektseminars, betreut auch von Prof. Ruth Berktold und Johannes Peter Steidl als wissenschaftlichem Mitarbeiter, an Konzepten gefeilt, wie mobile Schulungsräume für Geflüchtete aussehen könnten.

 

Unter den Argusaugen

Besondere Spannung verleiht der Präsentation die Anwesenheit von HM-Vizepräsident Prof. Dr. Klaus Kreulich und drei Schwergewichten rund um den Münchner Wohnungsbau – so sind anwesend: Bernd Schreyer, Abteilungsleiter für Soziale Wohnraumförderung des Sozialreferats München; Thomas Rehn, leitendender Baudirektor des Referats für Stadtplanung und Bauordnung, Lokalbaukommission der Stadt München, sowie Prof. Dr. Matthias Ottmann, Honorarprofessor der TU München vom Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung. Diese beobachten in den kommenden zweieinhalb Stunden genau alle Entwürfe und geben ihre Statements ab.

 

Lorbeeren…

Besonders hervorgehoben werden schließlich folgende Entwürfe:

Das Konzept „lern: Raum“ der Studierenden Laura Kaiser und Philipp August von Kotzebue, das im Wesentlichen von drei unterschiedlichen Modulen ausgeht, einem Versorgermodul, einem Medienmodul und beliebig oft einsetzbar: einem bzw. mehreren Füllermodul/en. Eine mobile Schrankwand kann hier als Raumtrenner flexibel eingesetzt werden und so den Raum je nach Bedürfnissen halbieren oder unterschiedlich aufteilen. Warm mit Holz verkleidet, bestimmte Elemente eher kühl in anthrazit gehalten, wobei Farbelemente dank bunter Stühle und ähnlichem angedacht sind, wirkt dieser Entwurf eines Flachbau-Raums insgesamt sehr elegant und „sehr gut überlegt“ nach den Worten der Jury.

 

Die Idee der Studierenden Handan Toker und Sascha Ring, die von lauter schräg geschnittenen Modulen ausgehen, sticht architektonisch hervor. Durch die Möglichkeit, die Module sowohl übereinander zu stapeln und so Raum für einen Treppenaufgang (als auch für einen Aufzug) zu geben, als auch diese nebeneinander zu legen und so den Raum zu vergrößern, entstehen interessante Außenräume. Man kann sich etwa unter dem Dach geschützt zusammenfinden, da sich Nischen unter den jeweiligen Vordächern bilden. „Das ist ein Qualitätssprung zu den vorherigen Arbeiten“, meint die Jury anerkennend. Insgesamt vor allem aus Holz entworfen, setzt auch dieser Bau auf Nachhaltigkeit und eine warme Wirkung. „

 

… über Lorbeeren

Besonders lobte die Jury den Entwurf des Studierenden Tobias Lackner, der diesen nach dem Seminartitel „Das fliegende Klassenzimmer“ nannte. Dies stellte sich als äußerst passend heraus. Denn sein Konzept sieht als eines der ganz wenigen vor, den Lernraum nicht ebenerdig zu platzieren. Er plant, im Erdgeschoss die Versorgungsräume anzusiedeln und erst im ersten bzw. höheren Stockwerk/en die Lernräume zu bauen. Besonderheit seiner Idee ist, dass er nicht nur von einem konkreten Ort in München ausging sondern diesen darüber hinaus in sein Konzept eingearbeitet hat. Am Schluss entstand so ein Entwurf, in dem sowohl die Bäume auf dem Grundstück erhalten und „eingebaut“ werden als auch eine bereits vorhandene Mauer vom Nebengebäude mit eingearbeitet ist. Damit setzt er „in die Dichte etwas sehr kreatives und funktionales“ und geht so auf eine „städtebaulich sehr schwierige Situation“ ein, würdigt die Jury.

 

Auch die Idee des „School-House“ der Studierenden Lukas Bauer und Natalie Lengauer fand Anklang als die „grafisch am gelungenste Arbeit“. Die Aussage des Duos, sie wollen den hier Angekommenen „ein Haus schenken“ fand seinen Niederschlag in dem Entwurf. Der sieht tatsächlich ein für hierzulande recht typisches Gebäude mit spitzem Dach vor. Auch dieser Entwurf gibt die Möglichkeit, beliebig viele Module aneinander zu reihen und so die Größe des Schulungsraums zu verändern. Als einzige gehen die beiden speziell auf die Lichtsituation bei Dunkelheit ein. Sie schildern, wie sowohl Sonnenlicht von den beiden schmalen Seiten eingeht als auch welches künstliche Licht sie einsetzen. Die Jury hebt hervor, dass sie sich bei diesem Gebäude sofort die Lernsituation gut vorstellen und sich darin „heimelig“ und wohlfühlen kann.

 

Ein Toast auf Nachhaltigkeit

Auffällig ist die zum Teil sehr genaue Planung von Nachhaltigkeitskonzepten, wie Wärmezufuhr, Einsetzen von erneuerbaren Energien, nachhaltigen Rohstoffen und ähnlichem. Vizepräsident Kreulich lobt in seinem Fazit, dass bei vielen Konzepten auf die Situation der Lernenden eingegangen wurde. Er merkt aber auch an, dass den Lehrpersonen noch zu wenig Aufmerksamkeit zuteilwird. Er wünscht sich daher, damit aus den Ideen auch Realitäten werden können „noch mehr Überlegungen mit dem Fokus auf die konkrete Lern- und Lehrsituation in den zukünftigen fliegenden Klassenzimmern“.

 

Insgesamt lobt die Jury die „Detailliebe“, die professionellen Entwürfe und bedankt sich für den Input, den die rund um den Städtebau Tätigen auch immer wieder nötig hätten. Die BetreuerInnen wünschen ihren Studierenden, dass der ein oder andere Entwurf tatsächlich umgesetzt werden kann.

 

 

Sara Magdalena Schüller

 

 

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