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Studienerfolg für alle?

Prof. Dr. Martin Leitner spricht zur Zukunft der Hochschulbildung (Foto: Cathrin Cailliau)
Prof. Dr. Martin Leitner spricht zur Zukunft der Hochschulbildung (Foto: Cathrin Cailliau)

[29|11|2016]

„Studienbefähigung versus Studienabbruch“: Visionen bei den Workshops der „Konferenz der Fachbereichstage“

 

"Akademisierungswahn“, „Bildungsboom“ und „Studium als Normalfall“ – das Studieren hat im 21. Jahrhundert eine neue Bedeutung. Studierendenzahlen nahmen lange Zeit trotz demographischen Wandels stetig zu. Aber Studieninteressenten bringen nicht immer alle notwendigen Fähigkeiten für den Studieneinstieg mit. Was heißt das für die Hochschulen? Mit diesen Gedanken führte Prof. Dr. Ulrich Bühler, stellvertretender Vorsitzender der Konferenz der Fachbereichstage e.V. , KFBT, die Problemlage für die Workshops und Impulsvorträge der Fachbereichstage an der Hochschule München ein.

 

„Aufstieg durch Bildung“

Prof. Dr. Martin Leitner, Präsident der Hochschule München, sieht die derzeitige Akademisierung von Bildung als ideologische Bewegung einer „aufstiegsorientierten Mittelschicht“. Sie verwende Bildung zum „Zweck des Aufstiegs“ und durchkreuze damit die typisch deutsche Trennung zweckfreier Bildung an den Universitäten und zweckgerichteter Ausbildung an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Leitner sieht die Zukunft in einem einzigen Hochschultypus, der „amorphen Hochschule“, die beide Bildungsorientierungen aufnimmt und sich den vielfältigen Bedürfnissen der Studierenden öffnet.

 

„Durchlässigkeit, um Attraktivität zu retten“

Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrum für Hochschulentwicklung , CHE, präsentiert Zahlen und Fakten: Seit 2005 wurden die Studierenden nicht nur stetig mehr, sondern auch vielfältiger in Bildungswegen und Lebenssituationen. Anstelle der Frage nach der Befähigung für das Studium tritt die Frage nach der Passfähigkeit vielfältiger Ansprüche – wie Barrierefreiheit oder Flexibilität – mit ebenso vielfältigen Hochschulangeboten. Um bestehende Modelle wie duales Studium oder duale Ausbildung zu erhalten, setzt Ziegele auf mehr Durchlässigkeit der Systeme: „Am Ende soll jeder wissen, er hat irgendwo eine Perspektive und landet nicht in einer Sackgasse“.

 

„Regionalisierung statt Nivellierung“

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie an der LMU, Staatsminister a.D. sowie Autor von „Der Akademisierungswahn. Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung“ spricht sich gegen eine „Ideologisierung“ der Bildungsdebatte aus. Ein internationaler Vergleich soll nicht nivellieren, sondern regional unterschiedliche Bildungssysteme gleichwertig betrachten. Gegen die Bewertung der Akademikerquote nach dem Bruttoinlandsprodukt, etwa in den Studien der OECD, setzt Nida-Rümelin alternative Kriterien wie beispielsweise die Zahl von Patentanmeldungen. Zwischen beruflicher Bildung im dualen System und wissenschaftlichem Studium sieht er zukünftig eine Menge „Hybridisierungen“ von Bildungsangeboten, die „Gleichwertigkeit durch Durchlässigkeit“ vermitteln sollen.

 

„Bildungsinstitutionen ändern sich“

Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft schließlich wendet die Frage nach „Studienbefähigung versus Studienabbruch“: Die Fragestellung selbst setze ein monolithisches Verständnis von Institutionen voraus, das nicht mehr der Realität entspräche und aktiviere beispielsweise einen „Opferdiskurs“ der Institutionen. Auch wenn das Abitur kein „Studiumerfolgskriterium“ mehr sei, liesse sich das Problem ganz vielfältig neu formulieren: „Gibt es nicht nur eine Vielfalt der Herkünfte der Studierenden, sondern auch eine Vielfalt der Zukünfte?“

 

Weiterer Impulsredner war Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. Eine Podiumsdiskussion brachte die unterschiedlichen Perspektiven und Visionen zur Hochschulbildung an ein einen Tisch; drei Workshops vertieften Schwerpunktthemen.

 

Der gesellschaftliche Wandel betrifft – so könnte ein Fazit lauten – die Seite der Studierenden, die Bildungsinstitutionen und den Arbeitsmarkt. Hochschulen und Universitäten sind mit der Politik aufgefordert, Nachfrage und Angebote akademischer Bildung zur Passung zu bringen.

 

Weitere Informationen zur Tagung finden sich auf der Seite der Konferenz der Fachbereichstage e.V. .

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch

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