Navigation

 
 

News

(07/18) Regionale Kooperationen als Fachkräfte-Strategie im Tourismus vielerorts unterschätzt

[23|04|2018]

Die Hochschule München stellte am Tegernsee erstmals die Ergebnisse einer regionalen Fachkräftestudie vor

 

Nur 30 % der Hotel- und Gastronomiebetriebe haben in den Regionen Abtenau, Bad Reichenhall und Tegernsee bisher eine eigene Karriereseite. „Dabei wissen wir aus Studien, dass sich junge Fachkräfte immer auch auf der Karriereseite über ihren potenziellen neuen Arbeitgeber informieren“, kommentierte Prof. Dr. Celine Chang ein Ergebnis der Fachkräftestudie, die sie im April erstmals am Tegernsee im Rahmen des „Tag des Tourismus“ vorstellte.

 

Für die Untersuchung, die Teil des EU-Interreg Österreich-Bayern-finanzierten Projekts „Trail for Health Nord (AB 40)“ ist, wurden zahlreiche Stakeholder und Tourismus-Arbeitgeber und -nehmer aus den drei gesundheitstouristischen Regionen befragt. Auf der Basis der Ergebnisse präsentierte Prof. Chang am Tegernsee ein Fachkräftekonzept mit konkreten Handlungsempfehlungen und warb besonders für mehr regionale Kooperationen, um die Fachkräfteprobleme in den Regionen besser zu lösen.

 

„Das Besondere an dieser Studie ist die regionale Perspektive auf das Branchenproblem Fachkräftemangel im Tourismus“, betonte Celine Chang, Professorin für Human Resources Management (HR) an der Fakultät für Tourismus der Hochschule München. „Dadurch konnten wir nicht nur konkrete Fachkräfteprobleme, Arbeitgebereinschätzungen und Mitarbeiterwünsche klar herausstellen, sondern auch gezielte Handlungsempfehlungen entwickeln, die beispielhaft für andere Regionen sein können.“ Die Fachkräftestudie ist Teil des EU-Interreg Österreich-Bayern Projekts „Trail for Health Nord (AB 40)“, dessen übergeordnetes Ziel die gemeinsame Entwicklung neuer grenzüberschreitender, gesundheitstouristischer Konzepte ist. Als Projektpartner haben sich dafür die touristischen Regionen Abtenau/Tennengau, Bad Reichenhall und Tegernsee mit dem Lead Partner Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, der Hochschule München, der LMU-München und der ITG-Salzburg zusammengeschlossen. Die Hochschule München befragte für die Fachkräftestudie neben zahlreichen Stakeholdern aus Tourismus, Politik und Bildung sowie Arbeitsmarktakteuren jeweils rund 100 Tourismus-Arbeitgeber und -nehmer aus den drei touristischen Partnerregionen.

 

57 % der Arbeitgeber in allen drei Regionen gaben an, aktuelle Stellenbesetzungsprobleme zu haben. Die Abwanderung in andere Branchen ist dabei für 70 % ein Problem, für 36 % die Abwanderung in die Städte. Als häufigste Gründe für ihre Stellenbesetzungsprobleme nannten die Arbeitgeber aus dem Tourismus eine zu geringe Anzahl (72 %) bzw. Qualifizierung der Bewerber (70 %). Zugleich verfügen wiederum nur 30 % der Betriebe über eine eigene Karriereseite auf ihrer Homepage. „Ein echtes Manko, denn wir wissen, dass sich junge Fachkräfte heute immer auch auf der Karriereseite über ihren potenziellen neuen Arbeitgeber informieren“, erläuterte Chang.

 

Um ihre Mitarbeiter zu halten, setzen drei Viertel der befragten Betriebe in den Regionen Abtenau, Bad Reichenhall und Tegernsee auf interne und externe Weiterbildungsmöglichkeiten. „Das ist mehr als im Bundesdurchschnitt und rangiert auch bei den Mitarbeitern quer über alle Branchen weit oben“, ordnete Chang die Ergebnisse ein. Die Arbeitnehmer selbst sehen zudem ihre Wünsche nach regelmäßigen Mitarbeitergesprächen und die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeitmöglichkeiten weitgehend erfüllt. Deutliche Defizite beklagen sie hingegen vor allem in den Regionen selbst. So beurteilen z. B. am Tegernsee 54 % den Öffentlichen Nahverkehr als schlecht. Darüber hinaus wird der Aspekt Familienfreundlichkeit von 56 % der Arbeitnehmer am Tegernsee als schlecht bewertet. „Beides hängt sicher vor allem eng mit dem zu knappen und hochpreisigen Wohnraumangebot vor Ort zusammen“, so die Professorin für Human Resources Management.

 

Für die touristischen Regionen bedeutet dies, dass es zwar wichtig ist, dass die einzelnen Betriebe attraktive Bedingungen für ihre Mitarbeiter schaffen, aber auch im Verbund müssen alle dafür sorgen, dass die Regionen selbst als attraktiver Lebens- und Arbeitsraum wahrgenommen werden. „Es geht quasi darum, zusammen ein Employer Branding für die Region zu schaffen“, brachte es Chang auf den Punkt und empfiehlt in ihrem Fachkräftekonzept, dass die Betriebe und regionalen Stakeholder ihre Personalstrategien gleichzeitig auf der betrieblichen, regionalen und überregionalen Ebene ansiedeln – sowohl durch die Kooperation in und zwischen den Regionen als auch mit der überregionalen Politik, Interessenvereinigungen und Hochschulen. Bisher kooperieren die Betriebe in Personalfragen klassisch vor allem mit Verbänden (46 %), externen Beratern (41 %) und IHK bzw. WIFI (40 %). Nur ein Drittel sucht die Zusammenarbeit mit touristischen Unternehmen in den Regionen. „Dabei ist oft auch der Austausch zwischen Arbeitgebern in einer Region sehr befruchtend, auch wenn es ein Mitbewerber ist“, so Chang.

 

Konkrete Konzepte für die Region Tegernsee entwickelten auch die Studierenden der Hochschule München im Rahmen einer Fallstudie. Neben einer Rückkehrer-Kampagne mit dem Claim „Made in Tegernsee“, gehörte dazu vor allem auch eine eigene Karriereseite für die Region, die auf verschiedene Alters- und Lebensphasen der potenziellen Bewerber eingeht. Die Tegernsee Tal Tourismus GmbH (TTT) hat diese Idee bereits aufgenommen und präsentierte beim Tag des Tourismus den ersten Stand einer eigenen Tegernsee-Karriereseite. Neben Wohn-, Schul- und Verkehrsinformationen über die einzelnen Orte wartet sie mit einer Stellenbörse und einem Blog auf, auf dem Young Professionals von ihrem Alltag berichten. Für Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernsee Tal Tourismus GmbH, ist dies nur eine gute Möglichkeit, wie Marketingorganisationen von Destinationen als Plattform in der Region fungieren können. „Wir gestalten bereits seit Jahren auch eine Info-Fahrt für neue Mitarbeiter aus der Hotellerie und Gastronomie, um ihnen die wichtigsten Hotspots der Region zu zeigen“, ergänzt er. 2018 wird es dies auch für neue Auszubildende geben. Darüber hinaus arbeitet die TTT daran, einen saisonalen Fachkräfteaustausch mit anderen Regionen zu organisieren.

 

Mit Blick auf diesen Austausch und die entstandenen Aktivitäten zieht auch Bernhard Lehofer, vom Projektpartner Innovationsservice Salzburg (ITG), ein positives Fazit für „Trail for Health Nord“: „Es sind genau diese konkreten Handlungsempfehlungen, die entwickelt und teilweise schon umgesetzt wurden, die diese Studie so besonders im Vergleich zu anderen macht.“

 

Weitere Ergebnisse der Fachkräftestudie präsentieren die Projektbeteiligten unter anderem auf der Fachtagung „HR Live. Kooperationen in der Personalarbeit gestalten“ am 4. Juli 2018 in der Hochschule München. Neben den Personalverantwortlichen aus den Destinationen sind hier auch weitere innovative Kooperationen und Hoteliers aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, die ihre Human-Resources-Konzepte vorstellen.

Details und Anmeldemöglichkeiten für Personalentscheider aus dem Tourismus und Pressevertreter finden Interessierte hier.

 

Darüber hinaus stehen Prof. Dr. Celine Chang und das Fachkräftestudienteam auch jederzeit für weitere Ergebnisse, Grafiken und Nachfragen zur Verfügung. Pressebilder auf Anfrage.

 

Kontakt: Katrin Rica Eberhardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin, T + 49 (0)89 1265-2156 oder . Hochschule München, Fakultät für Tourismus, Schachenmeierstraße 35, 80636 München

 

Prof. Dr. Celine Chang, Human Resources Management, T + 49 (0) 89 1265-2159 oder . Hochschule München, Fakultät für Tourismus, Schachenmeierstraße 35, 80636 München

NEWSARCHIV

Berichte und Informationen rund um die Hochschule München

Veranstaltungen

Vorträge, Tagungen, Events an der Hochschule München