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Bauschutt für neue Bauwerke nutzen

300.000 Tonnen Bauschutt hinterlässt der Abriss der Bayernkaserne - der HM dient dieser als Forschungsobjekt (Foto: Julia Bergmeister)
300.000 Tonnen Bauschutt hinterlässt der Abriss der Bayernkaserne - der HM dient dieser als Forschungsobjekt (Foto: Julia Bergmeister)

[11|07|2019]

Fakultät für Bauingenieurwesen forscht an Rezeptur für Recycling-Beton

 

Der Abriss von Gebäuden produziert viel Müll – die Kapazität von Schuttdeponien ist bereits jetzt weitgehend erschöpft. Und jedes Jahr kommen Millionen Tonnen neuen Schutts hinzu. Dessen Transport per LKW verbraucht fossile Rohstoffe. Gleichzeitig wird neuer Sand und Kies für Neubauten abgebaut. Ein Recycling der Baumaterialen vor Ort könnte die Öko-Bilanz von Hochbauten deutlich verbessern. Dass Kreislaufwirtschaft im Betonbau bisher kaum praktiziert wird, liegt u.a. an den in Deutschland gültigen Normen: Bisher ist nur eine begrenzte Zumischung von grobkörnigem Recyclingmaterial erlaubt.

 

Mit ihren Untersuchungen und neuen Rezepturen für Recyclingbeton möchte Prof. Dr. Andrea Kustermann und ihr Team zeigen, dass Recycling-Beton mit 100 Prozent rezyklierter Gesteinskörnung durchaus für neue Hochbau-Konstruktionen geeignet ist. „Man muss die Materialeigenschaften allerdings genau kennen, um beurteilen zu können, wo ein Werkstoff eingesetzt werden kann – es macht einen großen Unterschied, ob man eine Innenwand daraus baut, die kaum Frost ausgesetzt wird, oder eine Fassade“, erklärt die Forscherin.

 

Prof. Dr. Andrea Kustermann, hier mit Michael Weiß, Projektleiter der Firma Ettengruber, nimmt einmal in der Woche für das HM-Betonlabor Proben auf dem Bayernkaserne-Gelände (Foto: Julia Bergmeister)
Prof. Dr. Andrea Kustermann, hier mit Michael Weiß, Projektleiter der Firma Ettengruber, nimmt einmal in der Woche für das HM-Betonlabor Proben auf dem Bayernkaserne-Gelände (Foto: Julia Bergmeister)

Forschungsobjekt Bayernkaserne

Auf der Bayernkaserne wurde vor drei Jahren mit dem Abbruch der alten, von der Wehrmacht errichteten Gebäude begonnen. Den Schutt aus Beton-, Ziegel- und Mörtelreste bereitet das Abrissunternehmen Ettengruber, der Kooperationspartner des Projekts, mit riesigen Brech- und Siebanlagen vor Ort für seinen erneuten Einsatz auf.

 

Im Betonlabor der Hochschule München werden Eigenschaften wie Korngröße, Dichte und Wasseraufnahme der Schuttproben gemessen, das Material mit Zement und Wasser gemischt und die Mengenverhältnisse genau dokumentiert, da das Team für die unterschiedlichen Beton-Zusammensetzungen verschiedene Rezepturen finden muss. Schließlich werden Proben gegossen, an denen Belastungsprüfungen erfolgen. „Mit diesen Untersuchungen können wir ermitteln, wie belastbar der fertige Beton ist und wie oft er sich einfrieren und wiederauftauen lässt, ohne Schaden zu nehmen“, erläutert Kustermann.

 

Nach Abschluss aller Tests wird die Genehmigung für den Einsatz des 100-prozentigen Recycling-Materials bei der Baubehörde beantragt, bereits 2020 sollen vor Ort die ersten temporären Gebäude aus den neuen, alten Baustoffen entstehen.

 

 

Monika Weiner/Mirja Fürst

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