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Flucht und Migration im wissenschaftlichen Diskurs

Prof. Dr. Nicole Pötter (Foto: Johanna Weber)
Prof. Dr. Nicole Pötter (Foto: Johanna Weber)

[25|09|2019]

Prof. Dr. Nicole Pötter übernimmt die Leitung des Hochschulzertifikats SAE

 

Wo liegen Potenziale für professionelle und bürgerschaftliche AkteurInnen, wenn es um die Integration in Ausbildung und Beruf von Geflüchteten geht? Vor welchen Herausforderungen stehen Beratende? Welche Hoffnungen tragen Geflüchtete? Fragen, mit denen sich Prof. Dr. Nicole Pötter in ihrer Forschung beschäftigt. Ab Oktober 2019 übernimmt sie die Leitung des Hochschulzertifikats Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft (SAE) an der Hochschule München.

 

Herausforderungen für Geflüchtete und Beratende

Statistiken belegen: Deutschland ist traditionell ein Einwanderungsland. Menschen wandern seit jeher unter anderem als (Spät-)AussiedlerInnen, durch Familiennachzug oder als BürgerInnen der Europäischen Union im Zuge der Freizügigkeit zu. Seit 2014 kommen EinwanderInnen verstärkt als Geflüchtete, sodass professionelle und bürgerschaftliche AkteurInnen mehr denn je vor der Herausforderung stehen, Integrations- und Inklusionsprozesse neu zu denken. Denn Migration oder Flucht ist der Versuch, die eigene Lebenssituation oder die der Familie zu verbessern. Dies außerhalb des Ursprungslandes, in dem man bis dahin wohl die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat, zu tun, stellt zugewanderte Personen vor besondere Herausforderungen.

 

Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft
Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft

In kürzester Zeit müssen sich MigrantInnen mit einer neuen Sprache und neuen Systemen in einer für sie fremden Kultur und Gesellschaft auseinandersetzen, wie Prof. Dr. Nicole Pötter von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule München ausführt: „Was geflüchtete Personen gemeinsam haben, ist, quer in unser Bildungssystem einzusteigen. Auf der einen Seite haben sie keine Kenntnisse über das Bildungssystem. Auf der anderen Seite müssen sie alles, nicht nur die Sprache, viel schneller lernen als wir. Daher braucht es im Einwanderungsland qualifizierte Fachkräfte, die die Zugewanderten bei diesen Herausforderungen unterstützen.“

 

In ihrer Forschung setzt sich Pötter, die seit 2013 Professorin für Grundlagen der Sozialen Arbeit an der Hochschule München ist, mit diesem Dilemma auseinander. „Eine Begleitung in die neuen Systeme und Strukturen kann nur individuell funktionieren“, erklärt sie. „Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass alle das gleiche Angebot erhalten, da alle das Anrecht darauf haben. Aber das Gleiche ist nicht unbedingt passend für jede einzelne Person.“

 

Die Forderungen nach Individualisierung in Beratung und Unterstützung sowie die Voraussetzung der Standardisierung bedeuten einen Spagat für die Institutionen. Hinzu kommt, dass Geflüchteten oft eine persönliche Begleitung fehlt. „Daraus ergibt sich ein erstes Teilergebnis unserer Forschung“, erläutert Pötter. „Zivilgesellschaftliche Beratungs- und Unterstützungsangebote könnten den Einzelfall individuell betrachten und die Geflüchteten begleiten.“

 

Hochschulzertifikat gegen Fachkräftemangel

Passend zu ihrer Forschung übernimmt Pötter im Oktober 2019 die Leitung des Hochschulzertifikats Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft. Das zweisemestrige Studium möchte beruflich oder freiwillig engagierten Menschen einen theoretischen und konzeptionellen Hintergrund vermitteln, damit sie ihre Arbeit besser reflektieren und ausrichten können.

 

Die ersten AbsolventInnen des Hochschulzertifikats Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft (2018) mit Prof. Dr. Gerd Mutz (rechts im Bild) und Daniela Schuff, Geschäftsführerin des Weiterbildungszentrums (vierte von rechts) (Foto: Dean Causevic)
Die ersten AbsolventInnen des Hochschulzertifikats Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft (2018) mit Prof. Dr. Gerd Mutz (rechts im Bild) und Daniela Schuff, Geschäftsführerin des Weiterbildungszentrums (vierte von rechts) (Foto: Dean Causevic)

Gleichzeitig steuert das Zertifikat dem Mangel an qualifizierten Fachkräften entgegen. Denn dieser besteht leider immer noch, trotz der vielen Engagierten, deren Leistungen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der sozialstaatlichen Infrastruktur geworden sind. „Das Zertifikat ermöglicht den Studierenden, sich auf wissenschaftlichem Niveau mit dem Thema Flucht und Migration auseinanderzusetzen“, so Pötter. Es kann berufsbegleitend und damit parallel zum Engagement im Handlungsfeld absolviert werden. „Ich freue mich auf den konstruktiv-kritischen Austausch mit den berufserfahrenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und hoffe, dass ein fachliches Netzwerk über die Zeit des Studiums hinaus für alle Beteiligte entsteht.“

 

Pötter übernimmt die Leitung von Prof. Dr. Gerd Mutz, der das Hochschulzertifikat ins Leben gerufen und seit dem Wintersemester 2017 bis heute begleitet hat.

 

Alle Informationen zum Hochschulzertifikat finden Interessierte auf der Webseite der Weiterbildung.

 

Hier geht es zum Profil von Prof. Dr. Nicole Pötter und ihren aktuellen Forschungsprojekten.

 

 

Johanna Bronek

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