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(21/20) Dünnschichtsolarzellen-Verfahren spart 20 Tausend Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr

CIGS-Dünnschichtsolarzellen schaffen 10 bis 15 Prozent mehr Energieausbeute, wenn sie mit dem Pikosekundenlaser-Verfahren hergestellt werden. Dieser Laser erzeugt saubere Rillen in der CIGS-Schicht der Zellen ohne die Molybdänschicht darunter zu verletzen (Bild: Forschungsgruppe Huber)
CIGS-Dünnschichtsolarzellen schaffen 10 bis 15 Prozent mehr Energieausbeute, wenn sie mit dem Pikosekundenlaser-Verfahren hergestellt werden. Dieser Laser erzeugt saubere Rillen in der CIGS-Schicht der Zellen ohne die Molybdänschicht darunter zu verletzen (Bild: Forschungsgruppe Huber)

[14|07|2020]

Dünnschichtsolarzellen, produziert mit Pikosekundenlasern, sind im Wirkungsgrad um zehn bis 15 Prozent effektiver als konventionell hergestellte. Prof. Dr. Heinz P. Huber von der Hochschule München machte dieses Laserverfahren mit seiner Arbeitsgruppe industriell anwendbar und forscht nun an dessen Effektivierung. Bereits jetzt spart sein Produktionsprozess circa zwanzigtausend Tonnen CO2-Emission pro Jahr.

 

München, 14. Juli 2020 – Weltweit ist etwa hundertmal mehr Solarenergie verfügbar als Energie aus Windkraft und nachwachsenden Rohstoffen. Solarenergie ist deshalb ein wesentlicher Teil des Mix aus erneuerbaren Energien für die deutsche Energiewende.

 

Bisherige Silizium-Solarzellen sind durch ihre massenhafte Produktion zwar günstig, aber im Herstellungsprozess komplexer und weniger ressourcenschonend als Dünnschichtzellen. Werden jene wiederum mit der Technik eines Pikosekundenlasers hergestellt, verfügen sie über einen noch zehn bis 15 Prozent höheren Wirkungsgrad. Trotz ihres derzeit geringen Marktanteils sparen sie mit 20 Tausend Tonnen pro Jahr bereits heute die CO2-Menge ein, die 3.000 Personen in Deutschland durchschnittlich im Jahr emittieren.

 

CIGS-Dünnschichtzellen mit Pikosekundenlaser herstellen

Sogenannte CIGS-Dünnschichtsolarzellen bestehen aus nur wenige Mikrometer messenden Schichten. Namensgebend ist die lichtabsorbierende Schicht aus dem Halbleiter Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid, kurz CIGS. Die hauchdünnen Zellen bestehen aus einem Sandwich von vier Schichten: dem Trägermaterial drei Millimeter Glas unten, einer Molybdänschicht von nur einem Mikrometer, der namensgebenden CIGS-Schicht von drei Mikrometern sowie einer Fensterschicht aus Zinkoxid von einem Mikrometer oben auf.

 

Die großflächige CIGS-Schicht der Zelle muss für die Stromproduktion eine Struktur aus feinen Rillen bekommen, die die große CIGS-Fläche in ungefähr hundert einzelne Zellen unterteilen. Wie Batterien, die seriell hintereinander verschaltet werden, erhöht sich so die circa ein Volt Spannung einer Zelle auf um die hundert Volt eines ganzen Zellen-Moduls. Die Molybdänschicht unter der CIGS-Schicht darf bei diesem Prozess jedoch nicht verletzt werden.

 

Das bisherige mechanische Ritzen der Rillen, das Scriben, hatte Nachteile: "Mit der Ritznadel werden breitere Furchen erzeugt und auf dem Grund der Rillen bleiben schlecht leitende Reste übrig. Trägt man die Schichten mit dem Pikosekunden-Laser ab, kann man feinere Linien erzeugen, die den Strom besser leiten. Der Wirkungsgrad der Zelle steigt, ohne dass sich Kosten nennenswert erhöhen", sagt Huber.

 

Industrieller Produktionsprozess für CIGS-Zellen

Indem er Laserimpulse mit einer Dauer von Pikosekunden und einer hohen Wiederholrate einsetzte, ermöglichte Huber erst die industrielle Herstellung der CIGS-Dünnschichtzellen: "Mit dem Nanosekundenlaser verbrennt man alle drei Schichten und schmilzt sie zusammen. Nur mit einem Ultrakurzpuls-Laser wie dem Pikosekunden-Laser kann man die obere CIGS-Schicht strukturieren, ohne die Molybdänschicht darunter zu beschädigen", sagt der Forscher. Die Verbindung zwischen dem Molybdän und der transparenten Zinkoxid-Deckschicht ist fester. Auch dadurch sinken die inneren Energieverluste, womit der Wirkungsgrad steigt.

 

Durch eine Straffung des Herstellungsprozesses sieht Huber in Zukunft weitere Verbesserungsmöglichkeiten in punkto Wirkungsgrad und Reduzierung der Produktionskosten. Der jeweils abwechselnde Schichtenauftrag der einzelnen CIGS-Schichten und Strukturierung soll in einen gemeinsamen Auftrag aller Schichten und ihre gemeinsame Laserstrukturierung zusammengezogen werden.

 

Prof. Dr. Heinz P. Huber lehrt und forscht seit 2004 an der Hochschule München als Professor für Lasertechnologie und Photonik. Nach einem Studium der Technischen Physik an der TU München promovierte er an der LMU München zum Thema 'Ultrakurzzeit-Spektroskopie der Photosynthese'. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Anwendung von Ultrakurzpuls-Lasern, insbesondere der Einsatz von Lasern in der Photovoltaik zur Verbesserung der Produktionsmethoden, Ultrakurzpuls-Laser als Werkzeuge in der Produktion sowie grundlegende Untersuchungen zur Wechselwirkung von Laserpulsen mit Werkstoffen durch ultrakurzzeitaufgelöste Experimente und Simulationen.

 

Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit Prof. Dr. Heinz P. Huber.

 

Kontakt: Christiane Taddigs-Hirsch unter T 089 1265-1911 oder

 

Foto-Download und BUs

Laserbearbeitung CIGS: CIGS-Dünnschichtsolarzellen schaffen 10-15 Prozent mehr Energieausbeute, wenn sie mit dem Pikosekundenlaser-Verfahren hergestellt werden. Dieser Laser erzeugt saubere Rillen in der CIGS-Schicht ohne die Molybdänschicht darunter zu verletzen (Bild: Forschergruppe Huber)

Dünnschichtsolarzellen Huber: Prof. Dr. Heinz P. Huber forscht am Laserlabor der Hochschule München zu Verfahren, die bei der Herstellung von Dünnschichtsolarzellen mit dem Pikosekundenlaser zwanzig tausend Tonnen CO2 pro Jahr sparen (Foto: Johannes Lesser)

Huber Team: Prof. Dr. Heinz P. Huber, Leiter des Laserzentrums der Hochschule München, mit seinem Forschungsteam (Foto: Johannes Lesser)

Haus Fritz Winter 3-7: Dünnschichtsolarzellen in der Architektur: Das für seinen Energiestandard preisgekrönte gesellschaftliche Wohnprojekt von FUNKWA 10 Architekten in der Fritz-Winter-Strasse 3+7 in Nordschwabing setzt Dünnschichtzellen straßenseitig als Elemente der Fassadengestaltung ein (Foto: Michal Heinrich)

CIGS-Dünnschichtzellen Aufbau: Projektgruppe Mehr Energieausbeute durch Laserverfahren: Mit Pikosekundenlaser hergestellte CIGS (grün) weisen in den Rillen einen geringeren Kontaktwiderstand und geringere elektrische Verluste auf, als die mit mechanischem Ritzen hergestellten Zellen (blau) (Bild: Forschungsgruppe Huber)

Prof. Heinz Huber: Mehr Energieausbeute durch Laserverfahren: Prof. Dr. Heinz P. Huber und sein Team forschen zu Herstellungsverfahren und Trägermaterialien von Dünnschichtsolarzellen (Foto: Johannes Lesser)

 

Publikationen

 

J. Winter, S. Rapp, M. Spellauge, C. Eulenkamp, M. Schmidt, H. P. Huber, “Ultrafast pump-probe ellipsometry and microscopy reveal the surface dynamics of femtosecond laser ablation of aluminium and stainless steel”, Applied Surface Science 511 (2020) 145514,

DOI: 10.1016/j.apsusc.2020.145514

 

F. Kessler, D. Hariskos, S. Spiering, H. P. Huber, E. Lotter, R. Wuerz, “CIGS Thin Film Photovoltaic—Approaches and Challenges”, in: High-Efficient Low-Cost Photovoltaics, January 2020, DOI: 10.1007/978-3-030-22864-4_9, Springer Series in Optical Sciences Vol. 140

 

P. Kubis, J. Winter, A. Gavrilova, M. Hennel, S. Schlosser, I. Richter, A. Distler, M. Heyder, S. Kery, P. Lenk, S. Geiger, C. J. Brabec, H. P. Huber and Hans-Joachim Egelhaaf "All-sub-nanosecond laser monolithic interconnection of OPV modules" Progress in Photovoltaics: Research Application (2019) DOI:10.1002/pip.3115

 

Gerhard Heise, Andreas Börner, Marcel Dickmann, Marina Englmaier, Andreas Heiss, Matthias Kemnitzer, Jan Konrad, Regina Moser, Jörg Palm, Helmut Vogt and Heinz P. Huber, “Demonstration of the monolithic interconnection on CIS solar cells by picosecond laser structuring on 30 by 30cm² modules”, Progress in Photovoltaics: Research Application (2014) DOI: 10.1002/pip.2552

 

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