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(17/21) Studienchancen für Geflüchtete durch digitale Bildung?

HM-Professorin Patricia Arnold untersuchte digitale Bildungsangebote für Geflüchtete auf ihren Beitrag zum Studienerfolg (Foto: Johanna Weber)
HM-Professorin Patricia Arnold untersuchte digitale Bildungsangebote für Geflüchtete auf ihren Beitrag zum Studienerfolg (Foto: Johanna Weber)

[30|06|2021]

Digitale Bildungsangebote können die Studienchancen von Geflüchteten erhöhen und zum Studienerfolg beitragen. Inwieweit, untersuchten Forscherinnen der Hochschule München (HM) am Beispiel der Online-Studienplattform von Kiron. Obwohl viele Geflüchtete das digitale Bildungsangebot sowie die Unterstützungsmaßnahmen als positiv bewerten, schließen nur wenige die digitalen Kurse ab. Die Gründe dafür liegen meist außerhalb des Studiums.

 

München, 22. Juni 2021 – Geflüchtete Studieninteressierte stoßen beim Zugang zur Hochschulbildung gleich auf mehrere Barrieren wie beispielsweise die Anerkennung von schulischen Qualifikationen oder – ganz zentral – Sprachhürden. Bisher existieren wenige Studien zum Studienerfolg Geflüchteter. Forscherinnen der Hochschule München untersuchten im Verbundprojekt SUCCESS unter Leitung von Prof. Dr. Patricia Arnold von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften studienbegleitende Maßnahmen für Geflüchtete auf ihren Beitrag zum Studienerfolg. Beispielobjekt war die digitale Studienplattform Kiron.

 

Studienchancen durch digitale Bildungsangebote

Kiron Open Higher Education nennt sich eine digitale Studienplattform, deren Mission es ist, qualifizierten Geflüchteten mit Hilfe von kostenlosen MOOCs (Massive Open Online Courses) einen unbürokratischen und schnellen Zugang zu tertiärer Bildung zu ermöglichen. SUCCESS untersuchte drei Angebote für die Studierenden im Verlauf des Studiums: Das war zum einen die Studienorientierung durch ein Online Self-Assessment-Tool (Verbundpartner RWTH Aachen) sowie den jeweiligen Studieneingang und -übergang zwischen den verschiedenen Studienphasen durch sogenannte Kompetenzdiagnostiken (Verbundpartner Universität Mainz). Zum anderen ging es um studienbegleitende Präventiv- und Interventionsmaßnahmen (Hochschule München).

 

Beitrag studienbegleitender Maßnahmen zum Studienerfolg

Das Teilvorhaben der Hochschule fokussierte seine Untersuchung auf die studienbegleitenden Maßnahmen und die Frage, inwieweit diese positiven Effekte für den Studienerfolg haben. Dazu gehörten unter anderem das Buddy-Programm zur Vernetzung inländischer und geflüchteter Studierender sowie verschiedene Mentoring-Maßnahmen. Neben qualitativen Interviews mit Kiron-Mitarbeitenden und Studierenden wurden vier quantitative Online-Befragungen durchgeführt: Unter den quantitativen Studien eine 2017 zu biographischen und Bildungsdaten von 1.375 Studierenden sowie eine 2018 zu Unterstützungsmaßnahmen durch Kiron von 203 Studierenden.

 

"Die zentralen Herausforderungen liegen außerhalb des Studiums"

Die Befragung zu den Unterstützungsmaßnahmen 2018 ergab unter anderem, dass die Studierenden das fachlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten wählbare Studienangebot überwiegend als ergänzende Bildungsressource gemäß ihren individuellen Zielen sowie abhängig von ihren Präferenzen und Zeitressourcen nutzten. Soziale Kontakte, persönliche Einzelberatungen für die Hochschulbewerbung und das Mentoring-Angebot erachteten sie als wichtig. Allgemein waren die Studierenden zufrieden mit allen Unterstützungsmaßnahmen: Rund 75 Prozent der etwa 200 Befragten waren zum Beispiel zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Buddy-Programm. Wenig bis gar nicht hilfreich waren die Unterstützungsmaßnahmen für 35 Prozent der Befragten, wenn es um die Vernetzung mit der lokalen Bevölkerung ging.

 

Insgesamt gaben die Studierenden bei der Befragung 2017 zwar an, wenig Schwierigkeiten mit dem Studium zu haben, die Organisation des Online-Studiums hingegen bereiteten laut 30 Prozent von ihnen einige bis große Schwierigkeiten. Außerdem verdeutlichten die Daten, dass nur wenige Studierende ihre Online-Kurse bei Kiron abschlossen: 26 Prozent schlossen Kurse ab, jedoch nur drei Prozent von ihnen mehr als drei Kurse. "Die zentralen Herausforderungen liegen wohl außerhalb des Online-Studiums", erklärt Arnold diese widersprüchlichen Befunde zur Nutzung von Kiron.

 

Digitale Studienangebote haben Potenziale und Grenzen

Eine genauere Betrachtung der persönlichen Hintergründe zeigt, dass die familiäre, finanzielle sowie zeitliche Situation der Studierenden die Hauptursachen für die Inaktivität bei Kiron darstellen. Studienbezogene Gründe scheinen also nachrangig zu sein. Vielmehr scheint die schwierige Lebenssituation starken Einfluss auf das Nutzungsverhalten des Online-Studienangebots zu haben. "Die Online-Kurse von Kiron haben großes Potenzial, aber das digitale Angebot hat seine Grenzen. Wir müssen die studienbegleitenden Maßnahmen weiter stärken und die Geflüchteten mehr an der Entwicklung des Bildungsangebots beteiligen. Das ist bisher nur in geringem Maße geschehen", so Arnold. "Die Unterstützungsmaßnahmen müssten noch besser auf die individuellen Bedarfe der Geflüchteten abgestimmt sein."

 

Das Verbundforschungsprojekt SUCCESS untersuchte von 2017 bis 2020 die Wirksamkeit von Ansätzen und Verfahren zur Schaffung von Studienchancen sowie der Sicherung des Studienerfolgs von Geflüchteten. Gemeinsam mit der Universität Mainz und der RWTH Aachen analysierte SUCCESS an der Hochschule München das Bildungskonzept von Kiron Open Higher Education. An der HM leitete das Projekt Patricia Arnold, Professorin an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften mit den Lehrgebieten Sozialinformatik / Digitalisierung, E-Learning. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit Prof. Dr. Patricia Arnold.

 

Kontakt: Amanda Shala, T 089 1265-1920 oder .

 

Weitere Informationen: Interessierte finden weitere Informationen im Schlussbericht zum Teilvorhaben der Hochschule München im Projekt SUCCESS.

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