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Ansichten einer Studienabbrecherin

Claudia Roth im Gespräch mit Ralf Beste
Claudia Roth im Gespräch mit Ralf Beste

[14|12|2012]

Claudia Roth sprach im "SPIEGEL-Gespräch - live an der Uni" über den Wert von Bildung

Beim Studium der Theaterwissenschaft – „ein Hauptfach, das im Rückblick sicher etwas gaga war“ – stellte sich schnell heraus, dass die Praxis für Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth die bessere Entscheidung war. Im Interview mit SPIEGEL-Redakteur Ralf Beste skizzierte sie ihren Weg von Studienabbruch über Theater zum Management der Band Ton, Steine, Scherben und schließlich in die Politik.

 

Beim Zusammenleben mit der Band in einer Kommune verschwammen zum ersten Mal Privatleben und Beruf auf positive Weise ineinander – ein Trend, der sich in ihrem politischen Engagement fortsetzen sollte: „Es ist ein Beruf, der einen fast mit Haut und Haar auffrisst. Aber er lässt auch keine Distanz zum eigenen Leben zu. Ich mache, was ich liebe.“ Ob sie manchmal ihren Studienabschluss vermisse? „Ja, manchmal habe ich latente Minderwertigkeitskomplexe. Aber geschadet hat es mir nicht. Ich hatte Glück: Ich konnte immer von dem leben, was ich arbeiten wollte.“

 

„Keine gesellschaftlichen Hierarchien“
Selbst keinen Studienabschluss und dazu noch die Freiheiten eines bildungsnahen Akademikerkindes: Trotzdem bezieht Claudia Roth leidenschaftlich Stellung zum Thema Bildung und gesellschaftliche Gleichberechtigung. „Deutschland ist nach wie vor eines der gespaltensten Länder was das Verhältnis von Bildung und sozialer Herkunft angeht. Das fängt schon im dreigliedrigen Schulsystem an.“

 

Sie ist überzeugt: Der Zugang zu Bildung, Gesundheit und Pflege sollte nicht von sozialer Herkunft abhängig sein. Bei Themen wie der Abschaffung von Studienbeiträgen gehe es freilich auch darum, Hochschulen und Studentenwerke vernünftig auszustatten. „Diese Gesellschaft muss sich entscheiden, ob ihr Bildung etwas wert ist – und welche Qualität sie haben soll."

 

Humor und Schlagfertigkeit
Besonders beim lebhaften Austausch mit ihrem studentischen Publikum wurde Roth ihrem Ruf gerecht: Auf den Mund gefallen ist sie nicht. Statt selbst über Bologna zu sprechen, fragte sie die HM-Studierenden, wie sie die neue Ordnung empfinden. Praxisnähe und Studieninhalte scheinen jedoch an der Hochschule München zu passen: Die Studierenden waren, da sie sich zum Beispiel im Studiengang „Management Sozialer Innovationen“ selbst mit gesellschaftlichen und politischen Problemen beschäftigen, mehr an Roths Meinung zu anderen Themen wie Außenpolitik oder der Homo-Ehe interessiert.

 

Neben Schlagfertigkeit verfügt Roth auch über Humor und eine gesunde Portion Selbstironie – zum Beispiel wenn sie über ihre unorthodoxe Bewerbung als Pressesprecherin der Grünen („ein ehrlicher Brief, ein Bandfoto und ein paar Platten“) sprach oder über ihre Selbstzweifel nach der „Klatsche“ bei der Urwahl zum Grünen-Vorsitz. „Politik muss überzeugen“, erklärt sie. Das funktioniere nur, wenn man sich auch der gesellschaftlichen Debatte stelle.

 

kpf

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