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Zukunftschancen in Pflegeberufen

Nachfragen erwünscht: Ausstellerin und Studentin im Messebereich
Nachfragen erwünscht: Ausstellerin und Studentin im Messebereich

[24|04|2013]

Karrieretag „Pflege dual“ am Campus Pasing brachte Studierende und Arbeitgeber zusammen

Zu einem gemeinsamen Karrieretag zum Thema „Pflege dual“ luden die Hochschule München und die Katholische Stiftungsfachhochschule München (KSFH) am 19. April ein. Am Campus Pasing präsentierten sich im Messebereich rund 20 Aussteller. Kliniken wie das Städtische Klinikum München, die Schön Klinik (Prien am Chiemsee), Kreisklinik Ebersberg oder das Krankenhaus Barmherzige Brüder in München boten interessierten Studierenden die Gelegenheit, sich über ihr Unternehmen und mögliche Berufseinstiege zu informieren. Neben den Kliniken waren auch große Sozial- und Wohlfahrtsverbände oder die Arbeiterwohlfahrt München und das Bayerische Rote Kreuz vertreten.

Kathrin Müller und Sandra Weiler, beide im vierten Semester „Pflege dual“ an der Hochschule München, nutzten die Chance, sich über ihre beruflichen Möglichkeiten außerhalb des Krankenhauses zu informieren. „Wir haben schon einige Einrichtungen kennengelernt, die uns gar nicht bekannt waren“, sagte Sandra Weiler. Kathrin Müller sah die Veranstaltung auch als Interessenaustausch. „Wo sehen die Unternehmen uns, wo sehen wir uns?“, erklärte sie.

In Karriere-Talks potenzielle Arbeitgeber kennenlernen
In so genannten Karriere-Talks – also in räumlich abgetrennten Einzelgesprächen – hatten die teilnehmenden Institutionen, Verbände und Organisationen die Gelegenheit, sich einen ersten, umfassenderen Eindruck von ihren künftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu machen. Daniel Felber, Student der KSFH im sechsten Semester, nahm gleich mehrere Beratungsgespräche wahr. „Ich wünsche mir konkrete Fakten zu zukünftigen Arbeitsstellen“, sagte er und ergänzte: „Und zu den Übernahmechancen natürlich.“

Zusätzlich fanden unterschiedliche Vorträgen von ProfessorInnen und Studierenden sowie eine Podiumsdiskussion mit Politikerinnen und Politikern des bayerischen Landtags und der Sozialpolitik statt. Joachim Unterländer (CSU), Brigitte Meyer (FDP), Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen Bayern), Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD) und die beiden Hochschul-Professoren Julia Lademann (Hochschule München) und Bernd Reuschenbach (KSFH) diskutierten den derzeitigen Stellenwert der Pflege in Gesellschaft und Politik, bestehende Strukturprobleme sowie die Notwendigkeit einer Pflegekammer als politische Interessensvertretung.

Hans-Ulrich Pfaffmann ergriff das Wort bei der Podiumsdiskussion
Hans-Ulrich Pfaffmann ergriff das Wort bei der Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion: „Wir kümmern uns um Pflege“
Dem Motto „Wir kümmern uns um Pflege“ fühlten sich die TeilnehmerInnen offenkundig verpflichtet: Während Pfaffmann die Pflege als „Frage der Menschenwürde“ bezeichnete – wofür er wohlwollenden Applaus aus dem Publikum erntete – sprachen sich auch die anderen Diskussionsgäste dafür aus, die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich zu verbessern. Laut Theresa Schopper mache unter anderem die „wahnsinnige Dokumentation“ den Pflegeberuf unattraktiver.

Moderatorin Prof. Dr. Hildegard Schröppel (KSFH) regte die Diskussion mit teils provokativen Fragen der Studierenden wie „Muss Pflege immer billiger werden?“ an. Dabei stellten die DiskussionsteilnehmerInnen die Sicherung der Qualität in der Pflege in den Mittelpunkt. Die Wahrnehmung, Pflege könne jeder, sei gefährlich, warnt Theresa Schopper. Um Fehler in der Pflege zu vermeiden, sei eine fundierte Ausbildung nötig.

Laut Prof. Lademann könne die Akademisierung des Berufs, wie sie beispielsweise durch die dualen Studiengänge erfolgt, zu einer höheren Attraktivität der Pflegeberufe beitragen. Da der Beruf hauptsächlich von Frauen ausgeübt werde, sei dies außerdem ein Teil der Emanzipation. Im gesundheitlichen Bereich ausgebildete AkademikerInnen könnten nach Meinung von Prof. Reuschenbach darüber hinaus Bildungs- und Forschungslücken schließen und z.B. in Ministerien, in der Politik oder in Beratungen eingesetzt werden. „Pflege und Wissenschaft können am ehesten Einfluss auf die Politik haben“, fügte er hinzu.

Pflegekammer - ja oder nein?
„Der Pflegeberuf ist ein moderner Beruf“, erklärt Hans-Ulrich Pfaffmann. Er genieße zwar ein sehr gutes Image in der Bevölkerung, werde aber nicht entsprechend vergütet. Auch aus wissenschaftlicher Sicht erntete er dafür Zustimmung: Laut Prof. Reuschenbach gelinge es nicht, sich politisch Gehör zu verschaffen. Daher sei eine bessere Organisation der Pflegekräfte in der Pflegekammer notwendig.

Ablehnende Stimmen zur Pflegekammer erklärte sich Theresa Schopper wie folgt: „Viele haben Angst vor einer steigenden politischen Schlagkraft der Pflegekräfte.“ Viele Arbeitgeber würden zwar gut ausgebildete Kräfte fordern, eine entsprechende Bezahlung sei allerdings meist nicht zu erwarten. Das Selbstbewusstsein der Studierenden sei ihr daher positiv aufgefallen: Pflegekräfte müssten ihre Kompetenz überzeugend vertreten.

Im Hinblick auf die seit vielen Jahren umstrittene Einführung einer bayerischen Pflegekammer sollen nun die Ergebnisse einer unabhängigen Studie zu Erwartungen und Einstellungen abgewartet werden, die vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit in Auftrag gegeben wurde. Die Hochschule München führt die Studie in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung durch.


KSFH / kl

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