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Träume von Räumen

Miniaturmodell aus Pappe. Foto: Dunja Karcher
Miniaturmodell aus Pappe. Foto: Dunja Karcher

[23|10|2014]

Raum, Bühne, Philosophie: Mit den „Einführungstagen“ starteten die Architektur-Erstsemester ins Studium

Architektur ist nicht nur Ingenieurswissenschaft, sondern auch Kunst. Daher passt es gut, dass 108 Architektur-Erstsemester ihr Studium an der Hochschule München mit einem ungewöhnlichen Projekt begonnen haben. Zwei Wochen lang setzten sie sich in den „Architektur-Einführungstagen“ unter der Leitung von Prof. Dunja Karcher intensiv mit dem Werk „Träume von Räumen“ des französischen Schriftstellers Georges Perec auseinander.

 

Die Einführungstage sind Teil des BMBF-geförderten Projekts „Für die Zukunft gerüstet“ (ZUG). Dieses hat unter anderem zum Ziel, den Einstieg ins Studium zu erleichtern und die Lehrqualität zu verbessern. An der Fakultät für Architektur wurde hierfür ein neues fachbezogenes Mentoringprogramm etabliert.

 

Konkretes und Imaginäres verbinden

In literarischen Schnipseln, Sprachspielen, Kurzessays, Glossen und Experimentalanordnungen spielt Perec in seinem Werk mit Raumkonzepten. Die Aufgabe der Studierenden war es, den Text zu „verräumlichen“ und szenisch aufzuführen, also in einem Theaterkontext Substanzielles und Imaginäres zu verbinden. Dazu entwarfen sie Ideen für Bühnenbilder und bauten „Bühnen-Raum-Bild-Möbel-Objekte“ aus Wellpappe.

 

Begleitet und inspiriert wurde die kreative Arbeit durch ein intensives Rahmenprogramm mit Einführungen und Gastvorträgen. In mehreren Feedbackrunden mit den ProfessorInnen der Fakultät erhielten die Studierenden Hilfestellungen für ihre Entwürfe. Als MentorInnen standen den Neulingen darüber hinaus Kommilitoninnen und Kommilitonen aus den höheren Semestern zur Seite.

 

14 Tage lang diente die Aula in der Karlstraße als Kreativraum. Foto: Dunja Karcher
14 Tage lang diente die Aula in der Karlstraße als Kreativraum. Foto: Dunja Karcher
Die 28 „Stücke“ präsentierten sie schließlich in einer Premiere, die Architektur, Philosophie und Theater auf spannende Weise verband. Sichtbares Nebenprodukt: Begeisterung, Engagement und Teamgeist. „Wir haben auch am Wochenende viel Zeit in die Arbeiten investiert“, sagte Studentin Janine Moreth. „Die Stimmung und das menschliche Miteinander waren toll.“

 

Vom leeren Blatt bis ins Universum

Die Studierenden griffen unterschiedliche Aussagen, Szenen und Raumideen Perecs auf – vom leeren Blatt Papier über das Bett, die Treppe, die Wand, das Haus, die Straße bis ins Universum. Sie beschäftigten sich mit ihrer eigenen Verortung in der Welt genauso wie mit Wohnräumen oder dem täglichen Leben in diesen Räumen. „In der Architektur steht der Mensch genauso im Mittelpunkt wie der dreidimensionale Raum“, erklärte Dekan Prof. Andreas Meck bei der Premiere. Das Projekt sei ein gelungenes Experiment mit teilweise genialen Stücken. Auch Prof. Dunja Karcher war begeistert: „Die Studentinnen und Studenten haben sich selbst übertroffen“, fand die engagierte Professorin.

 

Generalprobe vor der großen Premiere. Foto: Dunja Karcher
Generalprobe vor der großen Premiere. Foto: Dunja Karcher
„Es war sehr philosophisch“, erklärte Student Dominik Klosz. „Wir haben gelernt, dass man nicht gleich loslegen sollte, sondern erst einmal Ideen sammeln. Erst dann wählt man einen Gedanken aus und setzt diesen um.“ Auch das Denken über den Tellerrand hinaus wird gefördert. Perec schreibt: „[…] es gibt immer mindestens eine Tür und noch oft genug ein Fenster“. Eine Studierendengruppe kontert: „Es gibt immer mindestens eine Sackgasse und auch mindestens einen Ausweg.“ Eine Aussage, die nicht nur zum Studium, sondern auch zum Leben passt.

 

Angekommen im Studium

„Was heißt es, sich einen Ort anzueignen?“, fragt Georges Perec. 14 Tage lang haben die Studierenden in der Aula des Campus Karlstraße intensiv gearbeitet, überlegt, geredet, gelebt. 14 Tage haben sie sich hier gegenseitig und auch ihre Fakultät kennengelernt. Am Ende waren sie nicht nur miteinander, sondern im Dunkel der Aufführung auch mit Ecken und Kanten, mit Lichtern und Stufen des Saals vertraut. Mit ihren Stücken nutzten sie nicht nur die Bühne, sondern den gesamten Raum. Man konnte spüren: Die Aula und die Fakultät gehören jetzt (auch) ihnen – für die nächsten sechs Semester und hoffentlich darüber hinaus.

 

 

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kpf

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