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Wenn der Paketbote zehn Mal klingelt

Praxispartner, Prof. Dr. Reinhard Koether und Studierende in der Diskussion über die Optimierung von Paketlogistik in der Innenstadt (Foto: Marco Gierschweski)
Praxispartner, Prof. Dr. Reinhard Koether und Studierende in der Diskussion über die Optimierung von Paketlogistik in der Innenstadt (Foto: Marco Gierschweski)

[31|01|2018]

Das Studierendenprojekt „City Logistik“ will die innerstädtische Zustellung von Paketen verbessern

 

Viele Menschen bestellen Dinge des Alltags online, statt sie im Laden zu kaufen. Zudem haben im Speziellen in München Geschäfte oft kaum noch Lager, sondern bestellen nach Bedarf für die Verkaufsfläche. Das führt zu erhöhtem Lieferverkehr in der Innenstadt, Stau, zugeparkten Gehsteigen und auch Paketen, die nicht zugestellt werden können. Wie lässt sich das besser lösen? Mit dieser Frage setzten sich in einem Projekt von Prof. Dr. Reinhard Koether sieben Studierende der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen auseinander.

 

Drei Gruppen, deren Mitglieder größtenteils den Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieur Logistik belegen, stellten im Januar ihre Ergebnisse Praxispartnern und VertreterInnen der Landeshauptstadt München vor. Veranstaltet wurde die Präsentation im Referat für Arbeit und Wirtschaft.

 

Ausschwärmende Paketroboter

Die erste Gruppe zeigte Zustellkonzepte wie Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP), durch die sich die Luftbelastung durch Kohlenstoffdioxid und Stickoxide einsparen lassen. Angedacht wurden in diesem Zusammenhang unter anderem Paketbriefkästen an Häusern, eine Innenstadtmaut zur Verkehrsbegrenzung, die Lizenzvergabe für Zustellfirmen pro Stadtgebiet sowie automatisierte Routenplanung für die Lieferfahrzeuge. Vom futuristischen Aspekt her stach ein Pilotprojekt mit fahrerlosen Transportsystemen in Form von kleinen Paketrobotern hervor. Diese schwärmen aus dem Hauptfahrzeug aus und bringen den KundInnen das Paket. Welches Konzept wirklich die Luftbelastung reduziert und welches nur den Komfort für die EndkundInnen erhöht, hängt stark von den Bedingungen des jeweiligen Stadtquartiers ab, so das Resümee der Studierenden.

 

Die erste Studierendengruppe zeigte Zustellkonzepte durch die sich die Luftbelastung reduzieren lässt (Foto: Marco Gierschweski)
Die erste Studierendengruppe zeigte Zustellkonzepte durch die sich die Luftbelastung reduzieren lässt (Foto: Marco Gierschweski)

Die letzte Meile bewältigen

Das zweite Team erörterte den Einsatz von Lastenfahrräder in der City Logistik für die sogenannte letzte Meile – also die letzten 0 bis 12 Kilometer, die das Paket bis zum Ziel zurücklegt. Zur Verbesserung der Flexibilität wären hierbei beispielsweise austauschbare Fahrradboxen oder abnehmbare Anhänger mit Elektroantrieb, die auch als Handwagen genutzt werden können, denkbar. Die Pakete ließen sich dann in sogenannten Mikrodepots zwischenlagern, die als Zentren für die Verteilung via Rad dienen würden.

 

Von Roller bis Laster

Der dritte Vortrag behandelte das Thema Elektromobilität und Brennstoffzellenantrieb für die Lieferung kleiner Mengen. Da bereits eine große Vielfalt an Fahrzeugen entwickelt wurde, sind schon heute für große und kleine Mengen und für lange und kurze Wege geeignete Elektrofahrzeuge für die Paketauslieferung am Markt. Je nach Stadtbereich werden andere Fahrzeugtypen als passend befunden, weil die zurückzulegende Strecke und die Paketmenge von der Region abhängen. Beispielsweise eignen sich kleine Kurzstreckenfahrzeuge wie Lastenfahrräder und Stehroller für den sehr engen, zentralen Innenstadtbereich mit vielen einzelnen Anlaufpunkten. Dort würden, so wie im vorherigen Beispiel, in Kooperation mit der Stadt München eingerichtete Mikrodepots als Lager vor Ort dienen. In der Stadtperipherie müssen dagegen größere Strecken zurückgelegt werden, dafür steht aber mehr Platz zum Rangieren und Parken von großen Fahrzeugen wie E-Transportern zur Verfügung.

 

Möglichkeiten der Verbesserung fanden die Studierenden viele. Aber die Umsetzung würde teilweise größere Veränderungen erfordern, die die Praxispartner im anschließenden Gespräch lebhaft mit der Stadtverwaltung diskutierten. Der Betreuer des Projekts, Prof. Koether, glaubt, dass die Ideen der Studierenden realisierbar sind: „Wir sollten die Kreativität nicht darauf verwenden zu schauen, wie es nicht geht, sondern wie man eine Idee zum Fliegen bringt.“

 

 

Cathrin Cailliau

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