Projekt

Fakultät 11
Lebenslauforientierte Pflegekonzepte-Transkulturelle Lebenswelten in der Pflegediagnostik. Kooperation mit der University of South Carolina
Kategorie:
Projekt
Themengruppe:
Kompetenzfelder: interkulturell, nachhaltig, forschend,
AutorIn:
Astrid Herold-Majumdar
Jahr:
2015
Weiteres

Studiengang: Pflege (BA) - dual

Name der Lehrveranstaltung: Lebenslauforientierte Pflegekonzepte mit dem Schwerpunkt transnationale und transkulturelle Lebenswelten in der Pflegediagnostik bei alternden Menschen (Modul BNS_W_05b)


USCAs Studierende zu Gast in München
USCAs Studierende zu Gast in München


Lernzielbeschreibung

Welche Kompetenzen sollten die Studierenden erwerben?
 

Im Hinblick auf das Kompetenzprofil Interkulturell:

  • Kulturelle Sensibilität und transkulturelle Kompetenz in der Pflege
  • Pflegediagnostik nach dem international anerkannten Klassifikationssystem NANDA-I anhand eigener Praxisfälle

 

Die Studierenden erlernen anhand realer, anonymisierter Fälle, die sie aus ihrer eigenen klinischen Praxis einbringen, die Pflegediagnostik nach dem international anerkannten Klassifikationssystem NANDA-I. Das Altern und die Migrations- bzw. Fluchterfahrungen als lebensgeschichtlich bedeutsame Lebensprozesse werden in der kollegialen Fallberatung in der Präsenzveranstaltung schwerpunktmäßig betrachtet.

  • Die TN verstehen die Bedeutung des geriatrischen Assessments unter Berücksichtigung kulturspezifischer Aspekte für den pflegediagnostischen Prozess und können Informationen strukturiert erheben, Informationslücken und Widersprüche identifizieren sowie validieren bzw. Vorschläge für die Überprüfung und Validierung entwickeln.
  • Die TN können die Besonderheiten transkultureller Lebenswelten sowohl auf Seiten der PatientInnen als auch auf Seiten des Pflegeteams in den diagnostischen Prozess und in die kollegiale Fallberatung einbeziehen.
  • Die TN finden einen ersten Zugang - ausgehend von ihrer eigenen Lebenswelt - zum „Fremden“.
  • Die TN haben eigene Wahrnehmungsfilter und Grundüberzeugungen gegenüber kulturspezifischer Phänomene hinter ihren Beurteilungen reflektiert und kennen Strategien diese zu kontrollieren.
  • Die TN lernen die Beratung durch KollegInnen mit Migrationshintergrund wertzuschätzen und erkennen das Potential für die Beurteilung von Fällen mit transnationalem und transkulturellem Hintergrund.
  • Die TN kennen einige wichtige Anforderungen an die Fallberatung im interkulturellen Team, können diese auf Basis der eigenen Erfahrung reflektieren und gewinnen eine größere Offenheit KollegInnen mit Migrationshintergrund gegenüber.
  • Die TN erkennen die Chancen eines interkulturellen Teams und sind bereit, diese zu nutzen.
  • Die TN entwickeln ihre transkulturelle Kompetenz weiter sowohl in Bezug auf die Arbeit mit PatientInnen als auch in Bezug auf KollegInnen mit Migrationshintergrund.

 

Beschreibung der durchgeführten Lehrinnovation

  • Zunehmende Internationalisierung des Berufsfelds Pflege durch zunehmende berufliche Migrationsbewegungen (Fachkräftemangel ) und Flüchtlingsströme in Europa
  • Fallstudien, Begleitstudie, Austausch mit der School of Nursing, University of South Carolina, Aiken
 

Weiterentwicklung des Lehrkonzeptes „Lebenslauforientierte Pflegekonzepte“ zur Förderung der pflegediagnostischen und transkulturellen Kompetenz der Studierenden sowohl auf der Ebene der Arbeit mit der PatientIn (Familie, Gemeinde) als auch auf der Ebene der kollegialen Fallberatung und Qualitätsentwicklung.

Geplant ist eine Begleitstudie, die mit einem Longitudinaldesign (3 Erhebungs¬zeitpunkte) die Wirkung des Lehrkonzeptes auf die kulturelle Sensibilität untersucht (Gesamtlaufzeit: 01.10.2015 bis 30.03.2017). Zusätzlich wird eine Lehrevaluationunter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Lernziele durchgeführt. Teil des Interventionsprogramms ist ein Austauschprogramm mit der University of South Carolina, Aiken, School of Nursing.
 

Im Präsenzseminar: Pflegediagnostik in kollegialer Fallberatung anhand von Fällen aus der eigenen klinischen Praxis. Schwerpunktmäßige Betrachtung des Alterns und der Migrations- bzw. Fluchterfahrungen als lebensgeschichtlich bedeutsame Lebensprozesse.
 

Von der weiterentwickelten Konzeption des Moduls profitieren alle nachfolgenden Kohorten der Studierenden des dualen Studiengangs Pflege (aktuell ca. 260 Studierende), die Lehrenden in dem Modul und schließlich auch die Praxisstellen, in denen die Studierenden als examinierte Gesundheits- und (Kinder-) krankenpflegerInnen tätig sind.
 

Zunächst soll der Modulbereich mit dem Schwerpunkt Pflege von Menschen im (höheren) Erwachsenenalter und alternden Menschen neu konzipiert werden. Bei erfolgreicher Evaluation kann das Konzept auch auf den Modulbereich Kinder und Jugendliche übertragen werden.
 

Hintergrund
 

Kulturelle Sensibilität und transkulturelle Kompetenz sind in der Pflege sowohl in der Arbeit mit den PatientInnen, Familien und Gemeinden als auch im intra- und interdisziplinären Team gefordert. Das Berufsfeld der Pflege erfährt eine Internationalisierung u.a. durch die zunehmenden, beruflichen Migrationsbewegungen in Europa u. a. ausgelöst durch den Fachkräftemangel, die weltweiten Wanderbewegungen (durch Krisen in den Herkunftsländern ausgelöst) und die EURO-Wirtschaftskrise.
 

Für die Teamentwicklung ist die transkulturelle Kompetenz von hoher Bedeutung. Aufgrund unterschiedlicher Muttersprachen müssen sich Pflegende auf gemeinsame Terminologien wie die NANDA-I einigen. Für die Sicherheit und Qualität der Versorgung der PatientIn ist es Grundvoraussetzung, dass sich die am Versorgungsprozess Beteiligten eindeutig über die gesundheitsrelevanten Phänomene verständigen können. Dabei sind unterschiedlich, kulturell geprägte Grundverständnisse von Gesundheits-, Krankheits- und lebenslauforientierten Prozessen genauso wenig zu vernachlässigen wie sprachliche Barrieren. Es müssen zunehmend PatientInnen mit Migrations- und Fluchthintergrund in der klinischen Praxis versorgt werden. Akkulturations- und Transmissionsprozesse sind im Zuge der Globalisierung hoch komplex und müssen im individuellen Einzelfall hinsichtlich des Einflusses auf den Gesundheits- und Krankheitsprozess beurteilt werden.
 

Fragestellung: Da Gesundheit und Krankheit sowie die damit verbundenen Lebenssituationen und Bedeutungszuschreibungen kultursensible und höchst individuelle Prozesse sind, spielt die transkulturelle Kompetenz der DiagnostikerIn für die Pflegequalität eine entscheidende Rolle. Lehrkonzepte sind hinsichtlich der Entwicklung kultureller Sensibilität innovativ und effektiv zu gestalten.
 

Digital: Zur Präsenzveranstaltung des Moduls ist parallel ein Moodle-Kurs eingerichtet, in dem die Studierenden Ergebnisse sichern und nachverfolgen, den kollegialen Diskurs fortsetzen (Moodle-Forum) und die Lehre evaluieren können. Die Datenerhebung für die Begleitstudie erfolgt ebenfalls auf Moodle über das Tool „anonymisiertes Feedback“.

 

Majumdar_Poster_SREB_2015_JB
 

Weitere Informationen zur Lehrinnovation:

QualiFIVE-Bericht- Pflege Dual_Herold-Majumdar

Bericht über das Austauschprogramm mit der USCA