Projekt

Fakultät 13
Fakultätsübergreifendes Planseminar im Rahmen des Lehrfensters: Zukunft der Metropolregion München gestalten - Benötigt der Flughafen München eine dritte Startbahn?
Kategorie:
Projekt
Themengruppe:
Kompetenzfelder: unternehmerisch, nachhaltig
AutorIn:
Stefan Rappenglück
Jahr:
2016

 

Lernziele

Die Studierenden...

  • ...erwerben vertieftes Verständnis des Themenbereiches Mobilität und Nachhaltigkeit, Metropolregion München, Auswirkungen auf Umwelt, Tourismus und Ökonomie
  • ...lernen politisch-ökonomische-ökologische Entscheidungsprozesse im Zuge einer Simulation kennen
  • ...setzen sich mit anderen Positionen auseinander
  • ...betrachten einen Sachverhalt unter unterschiedlichen Aspekten und Blickpunkten
  • ...recherchieren zu ihrer gewählten Rolle
  • ...diskutieren mit Experten
  • ...formulieren eigenständige Positionen und Argumente für die Position ihrer Rolle
  • ...lernen klar Position zu beziehen und dieses argumentativ zu verteidigen
  • ...lernen Schlüsselkompetenzen wie Verhandlungsführung, Teamarbeit, Moderationstechnik, komplexes Problemlösen


Hintergrund

Im Juli 2005 hat der Flughafen München die Planungen für eine dritte Start- und Landebahn im Erdinger Moos aufgenommen. Seit dem Bekanntwerden über das geplante Vorhaben der Flughafen München GmbH (FMG) vor über zehn Jahren ist der Protest der Startbahngegner gleichermaßen mitgewachsen. Trotz eines positiven Bescheids im Planfeststellungsverfahren im Jahr 2011 verzichtet die FMG auf ihr Recht des Sofortvollzuges. Der Bürgerentscheid am 17. Juni 2012 in München führt zum Stopp, da die LH München, als Miteigentümerin der FMG dem Bau jetzt nicht mehr zustimmen kann. Der Bürgerentscheid ist allerdings nur ein Jahr bindend. Der Freistaat Bayern sowie die Bundesrepublik Deutschland, welche die beiden anderen Miteigentümer der FMG sind, sehen einen Ausbau des Flughafens weiterhin als unverzichtbar an. Anfang 2015 votiert der Bayerische Landtag mit einer Mehrheit von 88:71 Stimmen gegen die Petition, welche den Bau der Start- und Landebahn endgültig verhindern sollte. Nach zahllosen Klagen gegen die Ausbaupläne kommt im Juli 2015 der Bescheid vom Bundesverwaltungsgericht Leipzig, damit ist die Baugenehmigung der dritten Start- und Landebahn bestandskräftig. 2016 sprechen sich immer mehr Unternehmen und Wirtschaftskonzerne für den Bau der dritten Start- und Landebahn aus.

Der Flughafen München ist ein Akteur, der den Studierenden gut bekannt ist, die rege kontroversen Diskussionen über politische, wirtschaftliche und nachhaltige Strategien für den Standort München sind nach wie vor sehr aktuell, und das Endziel ist noch nicht absehbar. All diese Aspekte führten dazu, den Studierenden die Möglichkeit zu bieten sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen, beispielsweise durch Expertengespräche oder eine Exkursion zur Flughafen München GmbH, sowie einen Blick „hinter die Kulissen“ zu werfen um Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Beschreibung der durchgeführten Lehrinnovation

Die Lehrinnovation fand in Form von jeweils vierstündigen Blockveranstaltungen im Wintersemester statt.

Das Lehrprojekt begann mit einem Überblick über den Stand der Debatte der beteiligten Akteure (Flughafengesellschaft, Stadt München mit dem im Stadtrat vertretenen Parteien, Bayerische Staatsregierung, direkt betroffene Kommunen, Wirtschaftsverbände, Großunternehmen, Repräsentanten von Umweltverbänden, Vertreter von incoming- und outgoing-Tourismus). In die Recherche und Informationsphase war eine Exkursion zum Flughafen für Hintergrundgespräche integriert, in der die Studierenden vor Ort mit Expertinnen und Experten der Flughafen München GmbH diskutierten und anschließend die geplante dritte Startbahn auch selbst "erfuhren". Ebenfalls waren Expertinnen und Experten des Bund Naturschutz zu Gast in der Lehrveranstaltung. Anschließend wurde das erworbene Wissen im Rahmen einer Politiksimulation umgesetzt, d.h. die Teilnehmenden übernahmen die Rollen der o.g. Akteure und führten Verhandlungen durch.

Abschluss und Höhepunkt der Lehrinnovation war die öffentliche Abschlussdebatte.

Nach der Begrüßung durch Vizepräsident Klaus Kreulich und einer Einführung in die Planspiel-Methode und den Seminarablauf durch die beteiligten Dozenten, fand die "Simulierte Abschlussdiskussion" der Studierenden unter Anwesenheit realer Akteure am 19.01.17 im Oskar-von-Miller-Saal der Hochschule München statt.

Moderiert durch Eric Treske (Vorsitzender der Gesellschaft für Planspiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz) wurde die Diskussion dann um das Plenum geöffnet. Unter den rund 70 externen Gästen befanden sich u. a. der reale Chef des Flughafens München Dr. Michael Kerkloh und sein Team, Robert Salzl, (Präsident des Tourismusverbands München Oberbayern), Prof. Dr. Gerhard Müller-Starck (AufgeMUCkt) und Vertreter der Fraktionen aus dem Bayerischen Landtag sowie betroffene Anwohnerinnen und Anwohner des Flughafens. Am Ende wurde ein fiktiver Bürgerentscheid durchgeführt, in dem 51 % der Teilnehmenden gegen die dritte Startbahn votierten, 44 % sich für den Bau aussprachen und 5% sich enthielten.

Während der gesamten Lehrinnovation fand ein umfangreicher Informations- und Kommunikationsaustausch über Moodle statt.

Erfahrungen

Neu war bei diesem Lehrformat der fakultätsübergreifende Ansatz, die Thematik Nachhaltigkeit (Ökologie) und die Thematik „Ökonomie“ im Rahmen der innovativen Lehrmethode Simulation zu verknüpfen und den Dialog zwischen Studierenden und der Politik zu einer gegenwärtigen zentralen Entwicklungsfrage der Zukunft der Metropolregion München zu ermöglichen.

Die Lehrinnovation war sehr inspirierend, zugleich jedoch mit einem relativ großen Betreuungsaufwand verbunden.Teilweise monierten Studierenden den in ihren Augen gegenüber anderen Seminarformen hohen Arbeitsaufwand (umfangreiche Recherchetätigkeit, Präsentationen, intensive Vorbereitung der Abschlusskonferenz und die Anfertigung einer 10-15seitigen Seminararbeit).

Aber Verlauf des Seminars, die hochmotivierten Auseinandersetzung der Studierenden im Rahmen der Abschlussrunde aber auch die hohe Qualität der Seminararbeiten zeigen, dass diese Lerninnovation bei den Studierenden sehr gut angekommen ist und zu dem gewünschten Kompetenzgewinn geführt haben.

Beispiele für O -Töne von Studierenden:

„Obwohl ich zu Beginn Zweifel am Lernerfolg des Planspiels hatte, konnte ich mich die finale Diskussion vom Gegenteil überzeugen. Eine Gruppendiskussion vor vielen, real betroffenen Akteuren stellte für mich eine völlig neue und wertvolle Erfahrung dar. Vor allem die Schwierigkeit Argumente zu finden, die die gegenüberliegende Seite einfach nicht entkräften und ignorieren kann, habe ich im Vorhinein unterschätzt. Als Einblick, wie es in der richtigen Politik zugeht, kann ich nun langwierige Entscheidungsprozesse besser verstehen. Meiner Meinung nach war das Planspiel ein voller Erfolg."

„Als ich mich zum ersten Termin dieses Semesters begeben habe, hatte ich noch keine begründete Meinung zur dritten Startbahn. Ich habe mich aus deshalb für das Planspiel angemeldet und kann jetzt behaupten, dass ich einschätzen kann ob die dritte Bahn nötig ist oder nicht. (…) Bei Planspielen kann ich mich immer gut in die Rolle hineinversetzen, so dass ich umfangreich recherchiere und mich auf jede Argumentation vorbereite.“

„Die Vorteile eines Rollenspiels sind intensives nachhaltiges Arbeiten bzw. recherchieren der Thematik, Lernen wie man richtig argumentiert und diskutiert und ein sicheres Auftreten vor Geschäftsleuten und Publikum.“


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