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Projekt

Fakultät 07
Sonderoptometrie - Optometrie für Menschen mit geistiger Behinderung
Kategorie:
Projekt
Themengruppe:
Kompetenzfelder: nachhaltig
AutorIn:
Werner Eisenbarth
Jahr:
2016

LERNZIELE:

- Die Studierenden verfügen über ein vertieftes Verständnis der medizinischen, optometrischen und augenoptischen Hintergründe hinsichtlich visueller Rehabilitation von Klienten mit geistiger Behinderung.

- Die Studierenden können eine optometrische Untersuchung für Klienten mit geistiger Behinderung selbständig planen und durchführen.

- Die Studierenden können aufgrund eines Untersuchungsprotokolls eine Bewertung des visuellen Status vornehmen und einen Klienten hinsichtlich evtl. Korrektionsmöglichkeiten und okulärer Auffälligkeiten beraten und versorgen.

- Die Studenten bekommen einen Einblick in die Epidemiologie von okulären Störungen bei Menschen mit geistiger Behinderung und können die Bedeutung einer professionellen Beurteilung und Versorgung gesamtgesellschaftlich diskutieren. Konkret: die Studierenden können mit Hilfe von Beratung durch den Dozenten einen CaseReport für ein Fachjournal verfassen.

ABLAUF:

Der Ablauf dieser Lehrinnovation kann in eine Vorbereitung-/Planungsphase und eine Durchführungsphase gegliedert werden:

Maßnahmen während der Vorbereitungs-/Planungsphase:

- Einarbeitung in die neue Thematik „Sonderoptometrie“: ausführliche Literaturrecherche und Fortbildungsreise an das University Eye Center der University of California, Berkeley: Hospitation bei Dr. S. Fisher und Dr. D. Orel-Bixler (Eye-Unit for special needs)

- Ausarbeitung von Vorlesungsunterlagen und Versuchsanleitungen für das Praktikum

- Ausarbeitung eines Modulplans für die Neuinstallierung des Moduls Sonderoptometrie ab dem Sommersemester 2017

Maßnahmen während der Durchführungsphase:

Lehrformen zur Schulung der Handlungskompetenz:

- Seminaristischer Unterricht zu den medizinischen, psychologischen und optometrischen Grundlagen der Versorgung von Menschen mit besonderem visuellen Rehabilitationsbedarf

- Analyse von CaseReports hinsichtlich Untersuchung und Intervention

- Planung eines Untersuchungsprogramms zur Durchführung in einer Einrichtung, z.B. Werkstätte für Menschen mit geistiger Behinderung (inkl. Personal- und Equipment, Logistik etc.) in Kleingruppen inkl. Präsentation

- Durchführung eines Untersuchungsprogramms in einer konkreten Behinderteneinrichtung oder durch Mitarbeit z.B. beim „Healthy Athletes Program“ von Special Olympics

- „Supervision“ während der z.T. mehrtägigen Untersuchungsprogramme

Lernzielkontrollen:

- Durchführung von optometrische Untersuchungen an Menschen mit geistiger Behinderung

- Erarbeitung eines konkreten individuellen Versorgungsvorschlags für den Klienten

- Evaluation durch die Teilnehmer des Untersuchungsprogramms und deren Betreuer

EXKURSION:

Zusammenarbeit vor Ort
Zusammenarbeit vor Ort
Begleitend zur Lehrveranstaltung wurde eine Exkursion (inkl. Arbeitseinsatz im Gesundheitsrahmenprogramm Opening Eyes) während der Special Olympics World Winter Games in Graz/Schladming durchgeführt. Die Studierenden wurden dabei von Prof. Dr. Werner Eisenbarth, seit 2016 Clinical Director für das Programm Opening Eyes, begleitet und während der Arbeitseinsätze von ihm betreut und instruiert. In Graz trafen die Studierenden auf zahlreiche internationale Athleten aus 107 Nationen und sammelten dabei wertvolle Erfahrungen innerhalb eines Screening-Programm, welches die Augengesundheit der geistig behinderten Sportler prüft. Ggf. wurden Sehhilfen verordnet und/oder weitergehende Untersuchungen anordnet. Sie arbeiteten dort in einem internationalen Team mit Optometristen und Augenärzten.

ERFAHRUNGEN:

Die Erfahrung meinerseits, aber auch die Rückmeldungen der Studierenden waren durchwegs positiv. Die Auseinandersetzung mit einer Klientel, welche z.T. einen besonderen visuellen Status aufweist, aber auch die unmittelbare Arbeit an Lösungsansätzen macht den unmittelbaren Erfolg sowohl für den Dozenten als auch die Studierenden erlebbar. Die Studierenden haben durch die Vielzahl der Untersuchungsschritte, die zur optometrischen Untersuchung notwendig sind, die Möglichkeit sich einzelne Bereiche auszusuchen um langsam an den Lehrstoff herangeführt zu werden. Innerhalb der praktischen Umsetzung lernen und erfahren Sie die Arbeit im Team, gegenseitiges unterstützen, aber auch das gemeinsame Erleben von Erfolg und die Rückmeldung von besser sehenden Athleten.

Umgekehrt werden auch die Grenzen des Machbaren erlebt: nicht lösbare Probleme organischen Ursprungs, Grenzen der Kommunikationsfähigkeit, Grenzen der Belastbarkeit von Athlet und Betreuer. Innerhalb der konkreten Umsetzung trifft die Theorie der Vorlesung, die Übungen des Praktikums auf die Realität der geistig behinderten Person. Hierbei ist es unvermeidbar, dass nicht alle Wünsche, sowohl für den Studierenden, als auch für den hilfesuchenden Athleten erfüllt werden können. Hierbei muss von Seiten des Modulverantwortlichen rechtzeitig auf Stolpersteine, aber auch die Grenzen des Machbaren hingewiesen werden.