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RePair Democracy

Soziale Innovationen als Experimentierfeld demokratischer Mikropraktiken (RePaD)

Forschungsverbund For Democracy - Zukunft der Demokratie


Prof. Dr. Gerald Beck
Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften


Vor dem Hintergrund der Diagnose der aktuellen Krise der Demokratie erscheint die Gestaltung gesellschaftlichen Wandels mit dem größer werdenden „Verlangen nach Alternativen“ (Wright 2017, S. 9) immer drängender. In den letzten Jahren wurden für die Bearbeitung dieser Krisen zunehmend „soziale Innovationen“ thematisiert (vgl. u.a. Howaldt & Schwarz 2010, Beck & Kropp 2012, Moulaert et al. 2014). Die zuletzt stärker in den Mittelpunkt geratene Frage nach der transformativen Kraft sozialer Innovationen (vgl. Haxeltine et al. 2016) soll auch in dem aktuellen Forschungsvorhaben weiter beleuchtet werden. Konkret geht es um die Frage, inwiefern soziale Innovationen politisierendes/demokratisierendes Potential entfalten können und die in sozialen Innovationen eingeübten demokratischen Praktiken auch in anderen Zusammenhängen zur Aktivierung von demokratischen Haltungen führen.


Im Projekt RePair Democracy sollen im ersten Schritt die in Repair Cafés, offenen Werkstätten und anderen sozialen Innovationen beobachtbaren demokratischen Mikropraktiken (Beck und Jende 2020) erforscht und beschrieben werden. Dazu wurde eine Studie in Repair Cafés durchgeführt, um sie hinsichtlich ihrer Praktiken der Selbstorganisation und Gemeinschaftsbildung zu verstehen.


Ziel des zweiten Projetabschnitts ist es, mit Akteuren Gelegenheiten zu entwickeln, demokratische Innovation auf den öffentlichen Raum auszuweiten. Dafür fließen die Erkenntnisse der Studie in den Aufbau eines Demokratiecafés ein, welches im transdisziplinären Austausch mit Praxispartner*innen zu neuem sozial robustem (Nicht-)Wissen (vgl. Gibbons et al. 1994) führt. Es geht bei RePair Democracy also weniger um das Wiederanbinden von Akteuren an alte Strukturen der Demokratie als vielmehr um die Entwicklung eines kollaborativen Demokratieverständnisses zur partizipativen Gestaltung sozialer Umwelten, um so die Verbindung unterschiedlichster Akteure und Dinge von Belang (Latour 2005) zu reparieren (RePair).


Zwischenergebnisse:
Aus der Studie zu demokratischen Mikropraktiken in Repair Cafés haben sich auf Grundlage der Grounded Theory Methodology (Strauss und Corbin 1996) drei tragende Kategorien herausgebildet: Materialität, Selbstorganisation und Gemeinschaft halten die Praxis des Reparierens zusammen, bedingen einander und werden in ihren Wechselwirkungen überlebenswichtig für das Repair Café.


Besonders spannend ist bislang die Einsicht des Wartens in und der Demokratie. Auf der einen Seite steht die banale Einsicht, dass demokratische Prozesse eine lange Zeit dauern, aber diese Wartezeiten nötig sind, um miteinander ins Gespräch zu kommen und daraus entstehenden neuen Lösungsansätzen Raum zu geben; auf der anderen Seite kommt eine Demokratie ohne stabile Nachbarschaften kaum aus. Das Warten, oder die Wartung im technischen Sinne, ist eine Praxis der Umweltpflege – im menschlichen wie im ökologischen Sinne. Das Reparieren baut Beziehungen auf, erhält sie und pflegt sie.


In der praktischen Ausgestaltung des zweiten Projektabschnittes haben wir bereits Demokratiecafés an unterschiedlichen Orten durchgeführt und konnten diverse sowie auch teilweise wenig politisch partizipierende Gruppen erreichen. Das Demokratiecafé hat auch dazu beigetragen, dass sich eine zivilgesellschaftliche Gruppe gefunden und gefestigt hat, die seitdem einen dauerhaften Arbeitskreis zur Mitgestaltung der geplanten Online-Partizipationsplattform für die Stadt München bildet.


Laufzeit:
01.07.2018 - 30.06.2022


Zuwendungsgeber/Projektträger:
Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst - Bayerischer Forschungsverbund "Zukunft der Demokratie" bzw. "ForDemocrazy"


Projektpartner:

  • anstiftung, München
  • Bellevue di Monaco e.G., München
  • LUISE Engagement & Kultur am Alten Südbahnhof
  • Münchner Kammerspiele
  • Münchner Forum


Verbundpartner:

  • Ludwig-Maximillians-Universität München, Evangelische Theologie, Reiner Anselm
  • Ludwig-Maximillians-Universität München, Politische Theorie, Karsten Fischer und Astrid Séville
  • Ludwig-Maximillians-Universität München, Kommunikationswissenschaften, Michael Meyen
  • Uni Würzburg, Öffentliches Recht und Internationales Wirtschaftsrecht, Isabel Feichtner
  • Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Soziale Arbeit, Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung, Sonja Haug
  • Uni Passau, Lehrprofessur für Methoden der empirischen Sozialforschung, Horst-Alfred Heinrich
  • Hochschule für Politik der TUM, Politische Philosophie und Theorie, Lisa Herzog
  • Uni Würzburg, Psychologische Ergonomie, Institut Mensch-Computer-Medien, Jörn Hurtienne
  • Uni Bamberg, Allgemeine Pädagogik, Annette Scheunpflug


Hier geht es zu dem Blog des Verbundprojektes.


Hier geht es zum bayerischen Forschungsverbund ForDemogracy.


  • Publikationen und Literatur

Ansprechpartner

Prof. Dr. Gerald Beck
Raum: KO 122

Tel.: 089 1265-2286
Fax: 089 1265-2330

Dr. Robert Jende
Raum: KO 346

Tel.: 089 1265-2259
Fax: 089 1265-2330