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InKom - Inklusion durch Kommunikation

Hilfe zur Verständigung bei und zum Verständnis von Demenz

Prof. Dr. Stefan Pohlmann
Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften


Projekthintergrund:
Demenzerkrankungen sind mit dem fortschreitenden Funktions- und Fertigkeitsverlust verbunden, der in einem bestimmten Stadium zu Benennungs- und Sprachverständnisstörungen beiträgt. Ältere Menschen mit Demenz, und diejenigen die mit ihnen zusammen leben und arbeiten, fühlen sich oftmals allein gelassen und hilflos bei der Bewältigung der damit einhergehenden Kommunikationsprobleme.


Projekthypothesen:
Die Fixierung auf die herkömmliche sprachliche Kommunikation bindet Ressourcen. Zudem tragen sprachliche Hürden zu Unsicherheiten, Frustrationen und Belastungen bei den Erkrankten, Angehörigen und Fachkräften bei. Versorgungsmängel, erhöhte Vulnerabilität und beschleunigter Krankheitsverfall sind die möglichen Folgen.


Projektziele:
Es gilt, die Kommunikation mit demenziell Erkrankten systematisch zu verbessern und den Beteiligten einen kongruenten Austausch dort zu ermöglichen, wo es an Worten und Handlungsoptionen fehlt. Auf diese Weise soll die Lebensqualität erkrankter Personen erhöht und die Belastung von Angehörigen und Fachkräften herabgesetzt werden. Zusätzlich sind Eskalationsspiralen und Überforderungssituationen zu vermeiden und Potenziale im Alter trotz bestehender Einbußen exemplarisch zu identifizieren. Gleichzeitig ist das Projekt hochgradig inklusiv ausgerichtet.


Projektvorgehensweise:
Im Projekt InKom erfolgt eine empirische Untersuchung von prototypischen Kommunikationshürden bei der Pflege demenziell erkrankten älterer Menschen. Vorgenommen werden die Schulung und der Einsatz eines alternativen kommunikativen Angebots auf der Grundlage des so genannten Farbdialogs. Die implementierten Kommunikationshilfen werden im Hinblick auf einen gelingenden Austausch und bezogen auf Entlastungspotenziale hin evaluiert. Angestrebt wird eine Fortsetzung der sozialen Teilhabe Demenzerkrankter. Dazu werden beispielhaft im stationären und ambulanten Bereich Tandems installiert, die mit dem Instrument des Farbdialogs interagieren. Im Fokus stehen Beziehungsebene, Lebensqualität der Demenzerkrankten und die Arbeits-/Lebenssituation der Angehörigen und Fachkräfte.


Projektergebnisse:
Da Qualifizierungsangebote fehlen, die sowohl präventiv als auch in akuten Situationen Verständnisprobleme verringern, soll das Projekt im Sinne eines praxistauglichen Ansatzes eine demenzspezifische Perspektive berücksichtigen, Ressourcen aktivieren und Fachkräfte und Angehörige anleiten, gelingend zu kommunizieren. Es wird ein Manual für ein edukatives Programm des Farbdialogs bei Demenz ausgearbeitet und überprüft, welchen Beitrag diese Kommunikationshilfe für einen gelingenden sozialen Austausch mit Demenzerkrankten hat.


Projektnachhaltigkeit:
InKom ist als Pilotprojekt angelegt. Es prüft beispielhaft einen Ansatz für eine gelingende Kommunikation durch eine flexible, nonverbale Sprache. Das Vorhaben trägt zu dem vielfach geforderten raschen Transfer zwischen Theorie und Praxis bei. Es ist als nachhaltiges wirksames Programm konzipiert, dass eine Verstetigung durch Multiplikatoren mit sich bringt. Das angedachte Manual soll Personen auch nach Ablauf des Projekts qualifizieren. Mit dem Ziel auch bürgerschaftlich engagierte Personen stärker in die Versorgung demenziell Erkrankter einzubinden und für diese Arbeit auszubilden wird auch jenseits des hier skizzierten Forschungsprogramms ein flankierender Forschungsantrag gestellt, der die hier angesprochenen Arbeitspakete und Finanzierungen allerdings nicht tangiert, jedoch auf die Forschungsbefunde aufzubauen vermag. Weiterhin sind nach Abschluss des Projekts vergleichbare Ansätze zugunsten einer basalen Verständigung zu prüfen. Dazu werden weitere Forschungsarbeiten jenseits des hier vorgenommenen Fokus erforderlich sein.


Das Forschungsprojekt wurde vom 01.02.2016 bis 31.12.2016 durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert.