Forschungsprojekt

Entwicklung von Geschäftsmodellen für Ladekonzepte und Ladestationen im hochverdichteten öffentlichen Raum


Prof. Dr.-Ing. Jörg Elias
Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen


Das zur Verfügung Stellen von Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum geschieht zur Zeit hauptsächlich als Fördermaßnahme für die Elektromobilität und nicht aus ökonomischen Gründen. Immer wieder wird darauf hingewiesen, daß öffentliche Ladeinfrastruktur nicht oder nur schwer kostendeckend zu betreiben sei. Die Anschaffungskosten samt Erschließungs- und Betriebskosten amortisieren sich nur über eine signifikante Auslastung, die es heute freilich noch nicht gibt. Der starke Ausbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur, der als ‚Henne und Ei-Problem‘ der zunehmenden Elektrifizierung des Individualverkehrs gilt, wird aber allein durch die Stadt München nicht zu stemmen sein. Belastbare Geschäftsmodelle sind nötig, um auch private Investoren in den Ausbau zu integrieren.


Mittelwertbetrachtungen legen den Schluß nahe, dass die für einen signifikanten Anstieg der Elektromobiliträt notwendigen Leistungen nur zu Zeiten einer insgesamt niedrigen Leistungsaufnahme zusätzlich und ohne weiteren Netzausbau abgerufen werden könnten. Um die Nutzer zu einem dazu kompatiblen Verbraucherverhalten zu motivieren, sind Geschäftsmodelle nötig, die mit einer starken Preisdifferenzierung Anreize bieten, das Ladeverhalten an die momentan übertragbaren Leistungen anzupassen.


Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines oder mehrerer solcher Geschäftsmodelle für das zur Verfügung Stellen und Betreiben von Ladeinfrastruktur in der Stadt München. Dabei werden die höherverdichteten Stadtquartiere mit ihrem Geschoßwohnungsbau und größeren Tiefgaragen hauptsächlich berücksichtigt werden. Hier liegt der Mehrwert dieses Projektes: Bisher erstellte Studien setzten voraus, daß immer genug Ladeleistung zur Verfügung stehen würde. Das ist insbesondere im Geschoßwohnungsbau und bei größeren Tiefgaragen aber (noch) nicht der Fall. Das vorliegende Projekt erweitert die Fragestellung nach nachhaltigen Geschäftsmodellen um den Aspekt des begrenzten Angebotes an Ladeleistung und befasst sich mit dem zeitlichen Aspekt der Leistungsanfrage und –abgabe. Abschließend soll ermittelt werden, wie hoch die Preisdifferentiale sein müssten, um eine grundlegende Änderung des Verbraucherverhaltens zu erzielen.


Im zweiten Schritt ist eine Erweiterung in Bezug auf lokal teilautonome Ladeinfrastruktur geplant. Bedarfsspitzen könnten damit lokal aus Photovoltaik, Speichern, oder aus anbietenden E-Fahrzeugen gespeist werden. Für ein solches System müssten zusätzliche Anreiz- und Preissysteme geschaffen werden, die die entwickelten Geschäftsmodelle entsprechend erweitern würden. Die technischen Voraussetzungen und Wechselwirkungen werden anhand von Simulations- und Auslegungsdaten ermittelt.




Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lastprofil#/media/File:Lastprofil_EWE_Fr%C3%BChjahr_mit_Kraftwerkseinsatz_schematisch.svg am 02.05.2018 mit eigenen Ergänzungen)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lastprofil#/media/File:Lastprofil_EWE_Fr%C3%BChjahr_mit_Kraftwerkseinsatz_schematisch.svg am 02.05.2018 mit eigenen Ergänzungen)

Der Lastverlauf über 24 Stunden zeigt Zeiträume, in denen das Netz eine zusätzliche Leistung zum Laden von Elektrofahrzeugen übertragen könnte, und heutige Lastspitzen, in denen die mögliche zusätzlich abzurufende Leistung sehr limitiert sein wird.


Laufzeit:
01.06.2018 - 31.05.2020


Zuwendungsgeber / Projektträger:
Landeshauptstadt München , Referat für Gesundheit und Umwelt


Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Jörg Elias
Raum: R 3.079

Tel.: 089 1265-3950
Fax: 089 1265-3902