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(09/27) Mit neuem Studiengang gegen den Fachkräftemangel

POR-Referent Böhle und Präsident Kortstock
POR-Referent Böhle und Präsident Kortstock

[29|10|2009]

Die Stadt München und die Hochschule München kooperieren für dualen Studiengang Informatik

Fachkräfte werden in Zukunft mehr denn je gefragt sein, aber durch den demografischen Wandel schwierig zu bekommen. Die Zahl der unter 20-jährigen ist schon heute geringer als die der über 60-jährigen. Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung schrumpft die Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren bis zum Jahr 2030 um rund ein Fünftel. Gab es bundesweit 1998 in den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen noch fast 13 Millionen Schülerinnen und Schüler zeigen Hochrechnungen wie die der Kultuskonferenz vom Mai 2007, dass diese Zahl aktuell bereits auf 11,6 Millionen (-10,8 Prozent) gesunken ist und bis 2020 um weitere 12,3 Prozent auf ca.10 Millionen sinken wird. "Im öffentlichen Dienst haben wir bereits jetzt Schwierigkeiten, wichtige Stellen zu besetzen", mahnt Münchens Personal- und Organisationsreferent Dr. Thomas Böhle, der auch Präsident der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände Deutschlands ist. Man könne nicht mehr von der Hand in den Mund leben. Der Öffentliche Dienst habe seine stärksten Kohorten bei den 45 bis 55-jährigen, die private Wirtschaft bei der Altersgruppe 35 bis 45. Nachwuchsmangel, eine zunehmend alternde Gesellschaft, Veränderungen im Aufgabenspektrum, der Trend zu höher qualifizierten Tätigkeiten sowie ein stetig wachsender Konkurrenzdruck bilden die Rahmenbedingungen für eine zukünftige, vorausschauende Personalplanung.

Öffentlicher Dienst profitiert als Arbeitgeber von der Krise

Studien zeigen, dass gerade in Krisenzeiten Geld allein nicht den Ausschlag bei der Stellensuche gibt. Gemäß der Studie "Arbeiten im Öffentlichen Dienst" des Online-Jobportals StepStone, an der 4.400 Fach- und Führungskräfte teilnahmen, sind derzeit 78 Prozent der deutschen Fach- und Führungskräfte an einer beruflichen Position im öffentlichen Sektor interessiert. 57 Prozent der Befragten schätzen dabei in erster Linie die Sicherheit und Verlässlichkeit einer Anstellung in diesem Bereich. Bemerkenswert: Die festen Tarifregelungen im Öffentlichen Dienst werden von den meisten Fachkräften als Vorteil im Sinne von "Planungssicherheit" wahrgenommen.

Nachzulesen ist, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise die Erwartungen verändere, die Bewerberinnen und Bewerber an ein Unternehmen richten. Die Studie macht deutlich, dass Werte wie Sozialverträglichkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit einen höheren Stellenwert erhalten als hohe Gehälter oder steile Karrieresprünge.

Die Stadt München ist seit einigen Jahren auf dem Weg, sich den Wettbewerbern gegenüber mit einem eigenen Profil zu positionieren und zu profilieren. "Unsere Bezahlung wird nie so attraktiv wie in der Privatwirtschaft sein – trotz Marktzulage. Dafür wird unsere Arbeitgebermarke von den Stichworten Sinnhaftigkeit, Flexibilität, Verlässlichkeit, Gemeinschaft und Vielfalt getragen", so Thomas Böhle.

Der öffentliche Dienst – zuverlässig, aber wenig ambitioniert?

Allerdings muss der Öffentliche Dienst nach wie vor mit Imageproblemen kämpfen – zu unrecht. Viele Kandidaten schätzten die verfügbaren Positionen im öffentlichen Dienst und damit auch bei der Landeshauptstadt München falsch ein. Laut StepStone glauben mehr als 70 Prozent, dass hier primär Verwaltungsstellen ausgeschrieben werden. Dabei würden diese gerade einmal 10 Prozent des freien Stellenpools ausmachen. Weithin unbekannt ist, dass häufig Professionen aus dem sog. MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) gesucht werden und das für oft sehr reizvolle Tätigkeiten.

Kommunen wie die Landeshauptstadt bieten vielfältige ITAufgaben

Nur wenige Unternehmen haben eine ähnliche Vielfalt an Aufgaben zu bewältigen wie eine große Kommune. Vor allem gut qualifizierte Informatiker wie Linux-Fachleute, IT-Architekten oder Oracle-Datenbank-Spezialisten können sich strategisch, planerisch und operativ austoben. Durch die vom Stadtrat 2007 beschlossene Neuausrichtung der IT hat die Stadt München einen großen Bedarf an besonders qualifiziertem Personal. Weniger wegen des Gehaltsniveaus – die Bandbreite beim möglichen Brutto-Jahres-Verdienst reicht von 30.000 Euro (Systemelektroniker) bis rund 85.000 Euro und mehr für besondere Leitungspositionen –, sondern vielmehr aufgrund des allgemeinen, auch in der Wirtschaft beklagten Fachkräftemangels zeigen sich allerdings Schwierigkeiten, Bewerberinnen und Bewerber mit IT-Studium oder hochqualifizierte Spezialisten mit Berufserfahrung zu gewinnen. Um diesem Problem entgegen zu wirken, intensiviert die Stadt München die Personalgewinnung über die Ausbildung und Studienangebote.

Verstärkte Personalgewinnung über Studium und Ausbildung

Besondere Aktivitäten entwickelt die Landeshauptstadt dabei im Hochschulbereich. "Nachdem wir 2008 in Kooperation mit der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding einen speziell auf unseren Bedarf abgestellten neuen dualen Studiengang Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Public Management aufgelegt haben, mit seinerzeit 23 und heuer 30 Abiturientinnen und Abiturienten, werden wir im Oktober 2010 einen weiteren dualen Studiengang Informatik auflegen", beschreibt Personal- und Organisationsreferent Dr. Thomas Böhle.

Mit der Hochschule München hat die Stadt eine der bestbewertesten Fachhochschulen Deutschlands als Kooperationspartnerin gefunden. In einem bundesweiten Ranking, durchgeführt vom Handelsblatt (www.karriere.de/bildung ), belegt die Hochschule im Bereich Informatik hinter Darmstadt und Karlsruhe Platz drei. Neben einem hervorragenden Ruf bietet die Hochschule München im Vergleich mit anderen Hochschulen die am besten zur Stadt München passenden, auf eine zukunftsorientierte IT ausgerichteten Studieninhalte: Mathematik und Informatik mit den Bereichen Integraltransformationen, Wahrscheinlichkeitstheorie, Statistik, Operations Research, Betriebssysteme, Software Engineering und viele mehr.

Die Hochschule München verfügt über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung dual Studierender. Unterstützt von "hochschule dual", einer Initiative der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften, konnte die Zahl der dual Studierenden an der Hochschule im vergangenen Jahr verdoppelt werden. Bewährte Partner sind zum Beispiel O2, EADS, BMW und Siemens. Die Bandbreite reicht von Studiengängen wie Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Fahrzeug- oder Flugzeugtechnik über den Bereich Pflege bis zur Verfahrenstechnik Papier und Verpackung. "In allen Bereichen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Studierenden, die sich zu einem dualen Studium entschließen, zu den leistungsfähigen und sehr motivierten Studentinnen und Studenten gehören. Dass sind genau die Personen, die wir sowohl an der Hochschule als auch in der Kommunalen Verwaltung haben möchten", erklärt der Präsident Prof. Dr. Michael Kortstock.

Das auf sieben Semester angelegte duale Studium der Informatik mit dem Abschluss Bachelor of Science ist in Anlehnung an das duale Ausbildungssystem ein Hochschulstudium mit fest integrierten Praxisblöcken in Unternehmen. "In der Hochschule München", so Michael Kortstock, "setzen wir auf eine ganz enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Die meisten unserer Studierenden co-finanzieren sich ihr Studium durch Jobs. Durch die Kooperation mit der Stadt München können diese Studentinnen und Studenten nun vom ersten Tag an praktische Erfahrungen in ihrem Studiengebiet sammeln." So bekommen die zukünftigen IT-Nachwuchskräfte der Stadt anders als in klassischen Studiengängen schon von Anfang an neben dem großen Praxisbezug eine frühe Bindung an das Unternehmen Landeshauptstadt. Während des Studiums erhalten die von der Stadt München ausgesuchten Bewerberinnen und Bewerber – geplant sind 2010 15 Abiturientinnen und Abiturienten – 1.100 Euro brutto (ca. 850 Euro netto). Auch die Studienbeiträge von insgesamt 3.500 Euro übernimmt die Stadt. Insgesamt investiert die Stadt München ca. 50.000 Euro pro Studenten und Studentin.

"Um attraktiv und damit konkurrenzfähig zu werden, gehen wir den von vielen Unternehmen vorgegeben Trend des dualen Studiums am immer härter werdenden Arbeitsmarkt in aller Konsequenz mit", fasst Dr. Thomas Böhle zusammen. Für die Zukunft sieht sich die Landeshauptstadt dadurch gut gerüstet. Mit dem dualen Studium zum Informatiker oder Informatikerin sind alle Handlungsfelder für die Personalgewinnung über Ausbildung und Studium nun abgedeckt.

Die Strategie: das vier Säulen-Modell

Seit 2001 werden jährlich in Kooperation mit den Stadtwerken zwischen zehn und zwölf IT-Systemelektroniker/-innen ausgebildet und erfolgreich bei der Planung und Installation von IT-Systemen eingesetzt. Dieser Ausbildungsberuf soll beibehalten werden, um Schulabgäger/-innen mit mittlerer Reife die Möglichkeit einer qualifizierten Ausbildung in der IT zu ermöglichen.

Das Studium zum Verwaltungsinformatiker wird seit 2002 angeboten. Der ursprünglich nur für staatliche Dienstherren konzipierte duale Studiengang wurde auch für die Stadt München geöffnet. Allerdings wurden die Studienplätze auf drei beschränkt. Seit 2007 stehen zehn Ausbildungsplätze pro Jahr zur Verfügung, die demnächst auf 15 erhöht werden.

Das Studium im Beamtenverhältnis umfasst den 18-monatigen Studiengang Informatik an der Fachhochschule Hof sowie sechs Monate Studium am Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern. Derzeit sind 34 Nachwuchskräfte in Ausbildung. Im Unterschied zu dem Studiengang an der Hochschule München liegt der Schwerpunkt hier aber auf verwaltungsrechtlichen Kenntnissen. Die monatlichen Bezüge während des Studiums betragen ca. 910 Euro netto (Kosten pro Student bis zum Abschluss ca. 80.000 Euro).

Neben der angesprochenen Kooperation mit der Hochschule München suchen wir den Kontakt zu Universitätsabsolventinnen und Absolventen in den Fächern Informatik, Wirtschaftsinformatik oder vergleichbarer Studiengänge über attraktive Praktikumsplätze. Geworben wird derzeit in den Online-Börsen der TU München, der LMU München sowie der Universität Augsburg. Die Stadt München vergibt 15 Praktika befristet auf sechs Monate mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden. Die Praktikumsvergütung beträgt 600 Euro monatlich. Der Einsatz erfolgt in den Bereichen Softwareentwicklung, Infrastrukturdienste sowie ITStrategie und IT-Neuorganisation. Bis jetzt haben sich bereits 30 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. "Neben den beschriebenen Aktivitäten der Ausbildung und Kooperation im Hochschulbereich bleiben wir selbstverständlich über unser Personalmarketing auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aktiv", fasst Thomas Böhle zusammen.

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